Bahnbrücken in Wangen werden 2019 ersetzt

29.10.2018 Wangen im Allgäu. Die DB Netz wird die beiden Bahnbrücken über die Lindauer Straße und über die Obere Argen sowie den Kanal im nächsten Jahr erneuern.

Bereits ab heute, Montag, 29. Oktober 2018 laufen die Vorarbeiten an, für die die Lindauer Straße ca. eine Woche lang gesperrt werden muss.

Die große Sperrpause für den Bahnverkehr wird von 12. April 2019 bis 6. Oktober 2019 sein. Die Arbeiten sind Teil der Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Zürich (ABS48). Nach Ende der Bauzeit in Wangen im Herbst 2019 werden zunächst noch Dieselzüge auf der Strecke rollen. Die Eurocity-Züge können nach Abschluss aller Elektrifizierungsarbeiten ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 elektrisch fahren.

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Beide Brückenkonstruktionen stammen aus der Zeit des Eisenbahnbaus in den 1880er/90er Jahren, wobei das ursprüngliche Bauwerk über die Lindauer Straße bereits in den 1930-Jahren durch einen wiederverwendeten Überbau von der Strecke Rosenheim – Salzburg ersetzt wurde. Komplett neu errichtet werden nun die Brücken und die Widerlager, auf denen sie am Bahndamm aufliegen.

Die Brücke über die Obere Argen wird durch eine 116 Meter lange, sogenannte dreifeldrige Stahlfachwerkverbundbrücke ersetzt, wie der zuständige Teilprojektleiter Matthias Gunsch sagt. Das bedeutet: Die neue Brücke wird aus einem Stahlfachwerk im Verbund mit einem Betonbrückendeck und einer Schotterfahrbahn bestehen.

Auf der Brücke errichtet die Bahn Schallschutzwände in Höhe von zwei Metern in Richtung der Wohnbebauung. Dazu kommen zwei Oberleitungsmasten mit einer Höhe von rund elf Metern. Als Abschluss der Gleisarbeiten werden auch Kommunikationsleitungen in einem Kabelkanal auf der Brücke eingebracht. „Leiser wird es auf jeden Fall für die Anwohner“, sagt Gunsch.

Die Fakten lesen sich nüchtern. Die Baustelle selber wird allerdings für Wangen spektakulär. Denn schon vor dem Rückbau der alten Brücke über die Obere Argen, wird neben dem Bauwerk der neue Überbau in Seitenlage auf einem Traggerüst erstellt. Der Überbau wird in Teilen vorgefertigt und über die Straße angeliefert.

Die Einzelteile werden mittels 500-Tonnen Mobilkrane auf das seitliche Traggerüst gehoben und zusammengeschweißt. Ein Teil der Brücke wird zwischen Allgäu-Stadion und Kanal gebaut, der zweite auf der Seite des Gehrenbergs. Sind die Brückenüberbauteile fertig, werden sie seitlich auf die ebenfalls neu gebauten Brückenpfeiler horizontal verschoben. Dies geschieht mit Schwerlastpressen.

Die Widerlager müssen gegenüber heute auf rund 8,90 Meter verbreitert werden. So kann auch der Überbau der neuen Brücke breiter sein als bisher. Ein Grund für die breitere Planung sind Rettungswege auf beiden Seiten. Damit die Brücke und ihre Lager den Belastungen durch die Züge standhalten können, werden insgesamt 42 Bohrpfähle mit einer Länge von bis zu 21 Metern als Gründung unter den neuen Fundamenten eingebracht.

Im Vorfeld des eigentlichen Baus werden noch im Herbst bei beiden Brücken Probebohrungen und Probepfähle erstellt. Dies dient zur Absicherung und Bestätigung der Werte aus dem Baugrundgutachten. Bei der Erstellung der Widerlager im Bahndammbereich könnten noch alte Holzgerüste angetroffen werden. Da der Bahndamm vor über 100 Jahren über ein Holzschüttgerüst aufgebaut wurde, könnte noch das alte Holz freigelegt werden.

Sollte dies so sein, würde die Denkmalpflege informiert, deren Archäologen den Fund erfassen würden. Allerdings habe man die Erfahrung an anderen Orten gemacht, dass sich das Holz im Lauf der Jahre aufgelöst habe, sagte Gunsch. Für den örtlichen Verkehr bedeutet dies, dass von heute, Montag, 29. Oktober 2018 bis Freitag, 2. November 2018 die Lindauer Straße voll gesperrt ist. Eine Umleitung ist ausgeschildert.

Um an den Brücken bauen zu können, wird die Bahn auch Bäume fällen müssen. Dies Arbeiten würden, so Gunsch, von einer Ökologischen Bauüberwachung betreut und seien mit der Naturschutzbehörde genau abgestimmt.

Ein bisschen anders gestaltet sich der Ersatzbau an der Lindauer Straße. Er wird jetzt als sogenannte Vollwandträgerverbundbrücke mit Schallschutzwänden von drei Metern auf der stadteinwärts gelegenen Seite bzw. einem Meter Höhe auf der Seite Richtung Lindau erstellt. Das bedeutet auch, dass das komplette Brückenteil auf einmal von einem Kran eingesetzt wird.

Zuvor muss die Bahn neue Auflagerbänke auf dem Widerlager errichten. Die Widerlager bekommen eine neue Vorsatzschale und werden mit Mikropfählen im Bahndamm rückverankert. Probemikropfähle werden bereits Ende Oktober, Anfang November in den Damm eingebracht werden.

Der anfallende Stahl-Schrott wird von der Bahn zentral über Minden/Hannover verkauft. Die Gesamtkosten für die beiden Projekte belaufen sich insgesamt auf zwischen 15 und 16 Millionen Euro.