Degermoos soll CO2-Speicher bleiben

5.7.2021 Wangen im Allgäu. Mit einem Kooperationsvertrag haben die Regierungspräsidien Schwaben in Bayern und Tübingen in Baden-Württemberg die Zusammenarbeit beim grenzüberschreitenden Moorschutz vereinbart. Vor Ort im Degermoos setzen die Regierungspräsidenten, Klaus Tappeser, Tübingen und Dr. Erwin Lohner, Augsburg, ihre Unterschriften unter den Vertrag.

Das länderübergreifende gemeinsame Moor- und Naturschutzprojekt soll in den nächsten Jahren umgesetzt werden, weil für den Klima- und den Naturschutz der Erhalt und die Entwicklung von Moorlebensräumen eine herausragende Rolle spielen. So soll das Degermoos ein CO2-Speicher bleiben.

Das Degermoos im Grenzbereich zwischen den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg sowie auf Wangener, Hergatzer und Hergensweiler Gemarkung ist wegen der Vielzahl der dort vorkommenden Moorlebensräume und Arten naturschutzfachlich von bundesweiter Bedeutung, wie aus in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Regierungspräsidien hervorgeht.

Beiderseits der Landesgrenzen ist das Moor als Naturschutz- und Natura 2000-Schutzgebiet ausgewiesen. Wie die meisten Moorgebiete sind auch die Moore im und um das Degermoos im Laufe der Zeit durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung stark beeinträchtigt. Wirksame Eingriffe zu deren Schutz sind dort jedoch nur über die Landesgrenzen hinweg möglich.

Die Landesregierungen haben daher eine verstärkte Zusammenarbeit im Moor- und Naturschutz vereinbart und im Juli 2019 in einem gemeinschaftlichen Kabinettsbeschluss festgehalten. Die Renaturierung des Degermoos ist das erste gemeinsame Projekt und soll für die sehr seltenen Arten von Moorlebensräumen erhalten.

Dazu haben sich gestern die Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Schwaben, Erwin Lohner, und des Regierungsbezirks Tübingen, Klaus Tappeser, getroffen und die dafür notwendige Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

„Der Schutz des Klimas und der Erhalt der Biodiversität sind große Herausforderungen, mit denen wir heute konfrontiert sind. Nur wenn diese Aufgaben nachhaltig und erfolgreich gelöst werden, können wir sicher für die Zukunft planen,“ betonte Regierungspräsident Klaus Tappeser. „

Mit diesem Projekt haben wir die Chance, gemeinsam mit unseren Kollegen aus Bayern, den Kommunen, den Landkreisen und der Bevölkerung einen großen Beitrag für den Moor- und Naturschutz zu leisten.“ An den anwesenden Oberbürgermeister Michael Lang und seine Kollegen aus Hergatz, Oliver-Kersten Raab, und aus Hergensweiler, Wolfgang Strohmaier, gewandt sagte er:

„Wir brauchen eure Grundstücke.“

Tatsächlich gehören wichtige Moorflächen privaten Eigentümern, von denen jedoch schon eine ganze Reihe Verkaufsbereitschaft oder ihren Willen zur Sanierung bekundet hätten. Der Lindauer Landrat Elmar Stegmann bekundete, sein Landkreis werde 6 Hektar Fläche einbringen.

Als erstes werden notwendige Gutachten für eine konkrete Planung zur Wiedervernässung und zur Förderung der besonders bedeutenden Tier- und Pflanzenwelt in Auftrag gegeben, die anschließend auch umgesetzt werden.

„Es muss uns klar sein, dass derartige Projekte sehr umfangreich sind und für eine erfolgreiche Umsetzung viel Zeit und Ressourcen benötigen. Wir müssen uns daher noch etwas gedulden, bis wir die Effekte wahrnehmen können,“ ergänzte Regierungspräsident Erwin Lohner. „Die Erfahrung zeigt uns aber, dass wir danach umso größere Erfolge verzeichnen können“.

Die Renaturierung des Degermooses ist nicht nur aus Naturschutzgründen sehr wichtig. Naturnahe und nasse Moore speichern riesige Mengen Kohlenstoff. Durch die Trockenlegung von Mooren gelangen sehr viel Kohlendioxid und andere Gase in die Atmosphäre, die das Klima nachhaltig beeinträchtigen, hieß es. Deshalb diene das Wiedervernässen trockengelegter Moorböden dem Schutz verbliebener naturnaher Moore und sei dadurch auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Hintergrundinformationen:

Das Projektgebiet umfasst ca. 1000 Hektar und liegt in den Landkreisen Lindau und Ravensburg. Teile davon gehören zu verschiedenen Schutzgebiete, wobei auf bayerischer Seite das FFH-Gebiet „Stockenweiler Weiher, Degermoos, Schwarzenbach“ sowie die Naturschutzgebiete „Degermoos“ und „Stockenweiler Weiher“, auf baden-württembergischer Seite Teile des FFH-Gebiets „Obere Argen und Seitentäler“ sowie das Naturschutzgebiet „Rotasweiher-Degermoos“ und das Landschaftsschutzgebiet „Moor- und Hügelland südlich Wangen im Allgäu“ gemeint sind. Mit 485 Hektar liegt der etwas kleinere Teil des Projektgebiets in Baden-Württemberg. 515 Hektar entfallen auf Bayern.

Ein Hektar Moorfläche speichert 700 Tonnen Kohlenstoff jährlich. Andererseits haben Moore heute bundesweit einen Anteil von 6 Prozent an der CO2-Emission. Deshalb sei es auch so wichtig, dass heute die Moore renaturiert werden.

Ziele des länderübergreifenden Moorschutzprojekts sind im Besonderen die Wiederherstellung der moorökologischen Funktionen und die hydrologische Sanierung des Degermooses sowie die Stärkung des Biotopverbunds zwischen den verschiedenen Moorteilen und der Umgebung. Derzeit wird die Vergabe von Gutachten vorbereitet, die als Grundlage für eine konkrete Planung dienen. In den folgenden Jahren sollen die Maßnahmen umgesetzt werden.

Das Degermoos im Rückblick

Der Rheingletscher formte bis vor rund 15 000 Jahren die Allgäuer Landschaft, indem er Schotter zu Drumlins auffüllte, Seen und Moore bildete. Vor 6000 Jahren trieben die Menschen in der Region ihr Vieh auf die Weide an die Moorränder. Bereits im 18. Jahrhundert begann die Torfgewinnung, die 100 Jahre später intensiviert wurde. Am Bahnhof in Hergatz wurde der Torf zum Heizen der Lokomotiven verwendet.

Seltene Flora und Fauna

Tier- und Pflanzenarten, die andernorts kaum noch vorkommen, haben im Degermoos ihre Heimat. Dazu gehören auch Libellen, unter denen die Große Moorjungfer zu den wichtigsten zählt. In der Moorpflanzenwelt dürfte der fleischfressende Sonnentau zu den bekanntesten gehören.