Empfang zum 75. Geburtstag von Stadtrat Herbert Müller MdL a.D.

18.11.2019 Memmingen. Seit fast 50 Jahren ist Herbert Müller Mitglied des Memminger Stadtrats, 24 Jahre lang gehörte er dem Bayerischen Landtag an und seit 1999 ist er Vorsitzender des von ihm gegründeten Kuratoriums „Memminger Freiheitspreis 1525“.

„Ohne ihn würde es diesen Preis in seiner heutigen Form nicht geben. Die Bauernartikel von 1525 haben damit einen würdigen Platz im Gedächtnis der Memmingerinnen und Memminger erhalten“, betonte Oberbürgermeister Manfred Schilder bei einer Feierstunde zum 75. Geburtstag von Herbert Müller im Kreuzherrnsaal. Als einem Kenner der Memminger Stadtgeschichte und Liebhaber besonderer Hölzer überreichte ihm der Oberbürgermeister eine Holzskulptur aus historischen Balken der Stadtmauer aus dem Jahr 1370.

Vom Landesverband der SPD wurde Herbert Müller mit der Georg-von-Vollmar-Medaille ausgezeichnet, der höchsten Ehrung der bayerischen SPD. „Herbert Müller war nie angepasst, eine farbige Persönlichkeit, hatte und hat noch immer Ecken und Kanten, seine Wahlergebnisse zeigen seine Bürgernähe, ohne dass er populistisch gewesen wäre“, würdigte Bundesfamilienministerin a.D. Renate Schmidt, die viele Jahre mit Herbert Müller auf Landesebene zusammengearbeitet hat.

Als parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion habe Herbert Müller ihr, der „Renate Nr. 2 in seinem Leben“ nach Ehefrau Renate Müller, den Rücken freigehalten und „sich statt meiner unbeliebt gemacht, damit ich beliebt bleiben konnte“, betonte Renate Schmidt in einer sehr herzlichen Laudatio. Herbert Müller habe durchgesetzt, dass die Schließzeiten im Außenbereich der Wirtshäuser auf 22:30 Uhr verlängert wurden und dass Landtagsabgeordnete eine Drittel-Stelle für Mitarbeiter bekamen.

Bei der Feierstunde im Kreuzherrnsaal (von links): Oberbürgermeister a.D. Dr. Johannes Bauer, Francesco Abate, der für die Bayern-SPD die Georg-von-Vollmar-Medaille überreicht hat, SPD-Ortsvorsitzende Susanne Friedrich-Scheuerl, Altoberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, Oberbürgermeister Manfred Schilder, Bundesministerin a.D. Renate Schmidt, Jubilar Herbert Müller, Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger und Bürgermeisterin Margareta Böckh. (Foto: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)

Dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem damaligen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sei er „manchmal gehörig auf die Nerven gegangen, aber mit Erfolg“, um Memmingen aus dem „Verkehrsschatten“ zu führen. Viele für Memmingen wichtige Verkehrsprojekte bis hin zur Elektrifizierung der Bahnstrecke über Memmingen nach Zürich seien verwirklicht worden, betonte Renate Schmidt. Die SPD-Ortsvorsitzende Susanne Friedrich-Scheuerl überreichte dem Jubilar für den SPD-Ortsverband in Anspielung auf sein Engagement Bahndraht und ein großformatiges Portraitbild auf rotem Grund.

Um einen kurzfristigen Erfolg sei es Herbert Müller nie gegangen, würdigte Altoberbürgermeister und Ehrenbürger Dr. Ivo Holzinger. „Politik, sagt Herbert Müller, ist das nachhaltige Bohren dicker Bretter“, zitierte der Alt-OB. Mit Hartnäckigkeit und nachhaltigem Druck habe er auf den Ausbau der A 96 und die Elektrifizierung der Bahnstrecke hingewirkt. Er war Mitbegründer der Bürgerinitiative zum Erhalt des Antonierhauses, habe die Städtepartnerschaft zu Eisleben mitinitiiert und klar den Allgäu Airport unterstützt.

Oberbürgermeister a.D. Dr. Johannes Bauer würdigte Herbert Müllers Idee für den Freiheitspreis, nachdem der mittlerweile verstorbene Historiker Prof. Dr. Peter Blickle in den 70er Jahren den Fokus neu auf die Bauernartikel gerichtet hatte. „Die Idee [für den Freiheitspreis] hatte Herbert Müller und die Erkenntnis, einem fast vergessenen Ereignis die Bedeutung und Öffentlichkeitswirkung zurückzugeben, die es historisch, insbesondere aber für unsere Republik und Gesellschaft in der Gegenwart hat“, betonte Dr. Bauer. „Es ist sein Verdienst, dass heute, so wie Frankfurt mit 1848 und Leipzig mit 1989, Memmingen mit 1525 im Bewusstsein der Gesellschaft verankert ist.“

Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger beschrieb als langjähriger politischer Weggefährte und Freund auch viele persönliche Züge des Jubilars. „Deine unbändige Energie, Deine manchmal nervende Hartnäckigkeit und Dein mitreißender Einsatz für Dinge, die Du für wichtig hältst. Du warst Urheber und Motor vieler Initiativen, die die Stadt und das Land verändert haben.“ Er beschrieb Müllers Engagement in der Evangelischen Kirche von der Evangelischen Gemeindejungend über die Landessynode bis zu seinem Wirken im Weltkirchenrat. In der Zeit des Kalten Krieges habe er im Ost-West-Arbeitskreis Kontakte mit Jugendvertretern aus Ostberlin geknüpft, immer wieder habe es konspirative Treffen gegeben. Dr. Steiger hob auch Herbert Müllers ökologisches Engagement hervor. Als Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Iller habe er wesentlichen Anteil daran, dass heute in der Iller nach der Kanalausleitung in Mooshausen Wasser fließe, was lange Jahre kaum noch der Fall gewesen sei.

Herbert Müller dankte für die vielen Ehrungen und richtete seinen Dank vor allem auch an die Kolleginnen und Kollegen im Memminger Stadtrat für die langjährige fruchtbare Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. Ein Stadtrat, Fraktionsvorsitzender Matthias Ressler, und Regina Leenders übernahmen die wunderbare musikalische Gestaltung mit Lieblingsliedern von Herbert Müller.

Oberbürgermeister Manfred Schilder überreichte Herbert Müller eine Skulptur aus einem historischen Balken der Memminger Stadtmauer. (Foto: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)