Füssen im Allgäu entwickelt neue Präventionskur gegen Schlafstörungen

30.8.2018 Füssen. Die Zahl der Menschen mit lebensstilbedingten Schlafstörungen nimmt ständig zu. Im Kneippkurort Füssen im Allgäu können sie bald mithilfe der traditionsreichen Kneipp-Therapie ihre Schlafprobleme in den Griff bekommen.

Rund 100 Probanden haben im Rahmen einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) das in Füssen entwickelte Schlaf-Präventionsprogramm getestet.

Jetzt hat die LMU die Ergebnisse der Studie veröffentlicht: Das Programm bewirkte signifikante Verbesserungen bei Schlafqualität, Wohlbefinden, chronischer Stressbelastung und weiteren Zielgrößen. Fast die Hälfte der Teilnehmer (49%) gab zudem sechs Monate nach Abschluss des Präventionsprogramms an, dass bei ihnen noch immer ein spürbarer Effekt nachwirke.

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„Die im Rahmen unserer Studie gewonnenen Erkenntnisse belegen, dass das ganzheitliche naturheilkundliche Therapie-Konzept der Kneipp-Kur mit den fünf Elementen Wasser, Ernährung, Bewegung, Kräuter und innere Ordnung sehr gute und wirkungsvolle therapeutische Ansätze für die Sekundärprävention bei nicht organischen, lebensstilbedingten Schlafstörungen bietet“, fasst die für die Durchführung verantwortliche LMU-Mitarbeiterin Dr. Marita Stier-Jarmer die Studienergebnisse zusammen.

In die anstehenden Verhandlungen über die Kassenzulassung gehen die Füssener Anbieter mit dem Ziel, die neue dreiwöchige Präventionskur „Gesunder Schlaf durch innere Ordnung“ noch 2019 buchbar zu machen.

Mehr als nur Neuschwanstein

Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier erwartet von dem neuen Angebot gleich zwei positive Effekte: „Wenn es um die Frage geht, wie Füssen von außen wahrgenommen wird, dominieren zweifellos die Königsschlösser. Die medizinischen und therapeutischen Kompetenzen unseres Kurortes und unserer Leistungsträger verbleiben – bildlich gesprochen – leider weitgehend im Schatten der Schlösser. Mit einem wichtigen Thema wie dem gesunden Schlaf bringen wir zum einen die Kompetenz Füssens als Gesundheitsdestination stärker in die Wahrnehmung. Zum anderen erreichen wir mit Sicherheit über das Thema Schlaf auch eine erhöhte Akzeptanz für das traditionelle Naturheilverfahren nach Sebastian Kneipp, das in seiner Anwendbarkeit und Wirkung absolut auf der Höhe der Zeit ist.“

Mit Kneipp eine neue Balance für sich finden

„Guter, erholsamer Schlaf ist essenziell für die Funktion von Immunsystem, Stoffwechsel und Hormonen und beeinflusst in hohem Maße die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Bevölkerung. Gleichzeitig zeigen epidemiologische Studien vielfach, dass Schlafstörungen heute zu den häufig vorkommenden Beschwerden und Symptomen gehören, die mit einer Vielzahl von körperlichen und psychischen Gesundheitsstörungen verbunden sind“, betont Prof. Dr. Dr. Angela Schuh, Leiterin des Fachgebiets Medizinische Klimatologie / Versorgungsforschung Kurortmedizin am LMU-Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung (IBE) die Bedeutung des Themas.

Die kneippbasierte Vorsorgekur in Füssen legt den Fokus nicht auf organisch bedingte Schlafstörungen, sondern sie zielt auf die große Gruppe derer, die im Zeitalter von Multitasking, dichter Reizbelastung, hohem Arbeitstempo sowie dem Spagat zwischen Beruf und Familie ein chronisch „übermüdetes“ Leben führen.

Ausgangspunkt der Therapie ist die Idee von der „inneren Ordnung“ – das Kernstück der ganzheitlichen Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp. War doch der Allgäuer Pfarrer längst nicht nur der „Wasserdoktor“, der seinen Patienten kalte Güsse und Bäder verordnete – er wollte ihnen vor allem einen gesunden Lebensstil näherbringen.

Daran anknüpfend sollen die Betroffenen in Füssen neue Strategien im Umgang mit Alltagsstress und ihren Schlafgewohnheiten einüben, um zu einer besseren Balance zwischen ihren Ressourcen und den Anforderungen von außen zu finden und so letztlich ihre Schlafqualität verbessern zu können.

Positive Rückmeldungen von BARMER, BHV und Gesundheitsministerium

Dass Schlafprobleme Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigen können, diese Einschätzung wird auch von der zweitgrößten deutschen Krankenkasse geteilt. „Laut einer aktuellen Studie im Auftrag der BARMER fühlen sich allein in Bayern weniger als die Hälfte der Befragten morgens ausgeschlafen, erholt und erfrischt. Ein Viertel der Erwachsenen haben sogar das Gefühl, unter einer Schlafstörung zu leiden. Guter und gesunder Schlaf ist Gesundheitsförderung ohne Aufwand. Darum hat die BARMER in Bayern dieses Modellvorhaben in Füssen unterstützt“, so Dr. Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Bayern.

Der Bayerische Heilbäderverband (BHV) als Interessenvertreter der bayerischen Heilbäder und Kurorte und wesentlicher Motor der Qualitätsoffensive im bayerischen Gesundheitswesen unterstützt Füssens Aktivitäten ebenfalls.

„Das Vorgehen des Kneippkurortes Füssen im Allgäu ist modellhaft: Der wissenschaftlich erarbeitete Wirksamkeitsnachweis eines durchaus traditionellen Heilverfahrens wie Kneipp in Bezug auf ein klar definiertes und gesellschaftlich relevantes Krankheitsbild wie Schlafstörungen ist eine hervorragende Möglichkeit, die medizinische und therapeutische Kompetenz eines Kurortes oder Heilbades wirkungsvoll zu präsentieren“, betont der BHV-Vorsitzende und MdL Klaus Holetschek. Damit unterstrichen laut Holetschek die prädikatisierten Gesundheitsorte in Bayern ihre wichtige Bedeutung bei der Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung.

Das bayerische Gesundheitsministerium sieht in den Kurorten und Heilbädern eine tragende Säule für den Gesundheitstourismus in Bayern. „Unsere bayerischen Kurorte und Heilbäder haben sie sich zu Kompetenzzentren für Lebensstilmedizin, Gesundheit und Prävention etabliert. Als moderne Dienstleister stehen sie für hohe Lebensqualität und ein individuelles Gesundheitsmanagement. Und sie versprechen nachhaltige Impulse für die Gesundheit der Gäste“, begrüßt Ministerialrat Dr. Robert Aures die Initiativen, sich auf dem Gesundheitsmarkt mit modernen innovativen Angeboten zu positionieren.

Das Gesundheitsministerium unterstütze seit 2012 mit einem bundesweit einmaligen Förderprogramm die bayerischen Kurorte und Heilbäder, damit sie ihre Potentiale auf dem Gesundheitsmarkt zukunftsgerichtet ausschöpften. Ziel sei, die medizinische Qualität weiter zu steigern – in den Kurorten und Heilbädern, aber auch in den anerkannten Heilquellen- und Moorkurbetrieben.

Neue, moderne Konzepte könnten das Gesundheitsprofil der Kurorte schärfen – besonders im Bereich Früherkennung, Prävention und Rehabilitation. Bayerns Kurorte und Heilbäder sollten so nicht nur an Attraktivität gewinnen. Sie sollten zu modernen Gesundheitszentren für eine immer gesundheitsbewusstere Gesellschaft weiter entwickelt werden. Rund 6 Millionen Euro an Fördergeldern habe das Ministerium den Kurorten und Gemeinden für 51 Projekte bereits zur Verfügung gestellt.