„Geschichten(n) & Genuss“ Isny

16.11.2018 Isny. „Museumsarbeit endet nicht an Türen“, sagte Ute Seibold, Leiterin der städtischen Museen im Kurhaus bei der Eröffnung des ersten Abends in der neuen Reihe „Geschichten(n) & Genuss“. Die städtischen Museen, die Stadtbücherei und die VHS haben zu einem Genussabend über den Isnyer Postkartenmaler Eugen Felle (1869 bis 1934) ins Kurhaus eingeladen.

Die VHS hat damit eine neue Form für ihren Bildungsauftrag gefunden, wie Gudrun Albrecht und Heike Hengge erklärten. Die Stadtbücherei ist allein schon durch die räumliche Nähe seit dem Umzug ins bisherige Museum am Mühlturm enger mit der VHS und dem Museumsbüro enger verbunden, betonte Büchereileiterin Anette Schmid.

Geschichte mit allen Sinnen erleben zu dürfen, kam bei den Gästen an den voll besetzten Tischen sichtlich gut an. Eugen Felle war eine besondere Persönlichkeit. Das wurde deutlich in den Anekdoten, die Urenkelin Tosca-Maria Kühn aus dem familiären Nähkästchen plauderte, unterlegt mit Bildern aus dem privaten Fotoalbum.

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Schon als Schulbub hat der spätere Postkartenmaler seine Stadt gezeichnet und den Kinderalltag in einer harten Zeit in Tagebüchern akribisch und teils in der Art von Comis festgehalten. Der berufliche Lebenslauf, der schon mit 13 Jahren begann, die künstlerische Entwicklung, das Kennenlernen seiner späteren Frau all das ließ Tosca-Maria Kühn lebendig werden.

Ursula Winkler, die das Projekt Panorama_Partner (gefördert von der Kulturstiftung des Bundes) verantwortet, zeigte an vielen Beispielen, Felles großes Talent, auf dem Minimalformat der Postkarte unglaublich viele Details, darunter Alpenpanoramen, unterzubringen.

Damals begann der Tourismus und Felle hat die Entwicklung mit seinen Karten kräftig befördert. Die Werbepostkarten für Gasthäuser und die Jux-Postkarten (auch diese dienten der Tourismuswerbung) erheiterten das Publikum sehr. Der leidenschaftliche Radfahrer Felle hat zudem einen ersten Radführer für das Allgäu illustriert.

Felles Zeit wurde für das Publikum in kleinen Szenen lebendig: Zwei noble Damen in der Sommerfrische, mühen sich samt Mops Henry auf den Schwarzen Grat und begegnen dort dem Postkartenmaler an der Staffelei. Regisseurin Ute Dittmar und Lisa Olberz, stilecht und hübsch gewandet (aus dem Fundus des Kinderfests) mit echtem, bühnentauglichen Hund, entführten für amüsante und reizvolle Augenblicke in die Zeit um die Jahrhundertwende.

Mit der Musik von „The Combo“ wurde der Abend abgerundet. Dieses neue „Geschichtsformat“ war ein Experiment. Dass es sich lohnt, es weiterzuverfolgen, zeigten Beifall und begeisterte Kommentare der Zuhörer.