Gleiche Chancen auf frühe Bildung für alle Kinder in Isny

9.1.2019 Isny im Allgäu. Im April 2018 war Start für das Bundesprogramm „Kita-Einstieg – Brücken bauen in frühe Bildung“. Im Landkreis Ravensburg wurden und werden Angebote im Rahmen dieses Programms entwickelt. Sara Finus-Hege ist die verantwortliche pädagogische Fachkraft in Isny.

Balancieren, hüpfen, klettern, schaukeln – im Bewegungsraum des Kindergartens Felderhalde turnt eine fröhliche kleine Gruppe. „Zirkus“ ist das Motto. Sara Finus-Hege leitet sanft an, greift ein, wenn es zu wild wird und sorgt dafür, dass jedes Kind an die Reihe kommt. Die einzelnen Stationen auf dem Parcours darf jedes machen so gut es kann.

Dass hier vorwiegend Kinder mit Migrationshintergrund gemeinsam spielen, fällt nicht auf, es wird nur Deutsch gesprochen. Die Herkunft, die Hautfarbe interessiert die Kleinen nicht. Im Laufe der Stunde wird die Kreativität der Kinder sichtlich geweckt. Ein umgedrehter Kasten wird zum Rettungsboot, ein Balken zur Wippe und die Balancierbank zur Schaukel.

Projekt für alle Familien

Diese psychomotorische Spielstunde ist ein Baustein des Projekts „Kita-Einstieg“. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen auf frühe Bildung haben, unabhängig von Herkunft, finanzieller Situation der Eltern oder Nationalität – dafür setzt sich der Landkreis Ravensburg mit dem Bundesprogramm im Rücken ein. Im Jugendamt Ravensburg wurde eine Netzwerk- und Koordinierungsstelle geschaffen, die die vier pädagogischen Fachkräfte in Wangen, Isny, Bad Waldsee und Ravensburg steuert und vernetzt.

Über frühpädagogische Angebote, Beratung und Begleitung von Eltern und Kindern, soll der Zugang zur frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung ermöglicht werden. Es geht hier auch nicht nur um Kinder mit Migrationshintergrund oder Geflüchtete, das Projekt richtet sich an alle Familien, die Bedarf haben. Denn jedes Kind soll die Chance auf Bildung haben.

In Isny gibt es verschiedene frühpädagogische Angebote. Beispielsweise eine Krabbelgruppe. „Wir wollen Brücken bauen ins Elternhaus, wenn die Kleinen noch nicht in der Kita sind“, erklärt Sarah Finus-Hege. Für die Mütter ist das gleichzeitig eine gute Gelegenheit, Anschluss zu finden, sich über Erziehungsfragen auszutauschen. Die Begleitung von Familien gehört dazu. So etwa beim Eingliederungshilfeantrag (bei Entwicklungsverzögerungen), eine Möglichkeit, die vielen nicht bekannt ist.

Elternabende in arabischer Sprache sind beispielsweise im Januar im Kindergarten Felderhalde und im Familienzentrum St. Josef geplant. Dabei geht es um Erziehungsfragen allgemein und außerdem wird das deutsche Bildungssystem, insbesondere das System der Kindergärten erklärt. Dieses sei mit seinen verschiedenen kirchlichen, städtischen und freien Trägern generell nicht einfach zu verstehen, weiß Sara Finus-Hege. Die gelernte Erzieherin hat einen Studienabschluss in Sozialer Arbeit und die Zusatzqualifikation „Psychomotorik und Sport in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern“. Ihr ist daran gelegen, Eltern möglichst frühzeitig zu erreichen.

Ganz wichtig ist die Vernetzung mit anderen Partnern, beispielsweise mit den Grundschulen, der Beratungsstelle für Geflüchtete, der Lenkungsgruppe Netzwerk Familie, der Arbeitsgemeinschaft Kinder, Jugend, Familie, den Familienbesucherinnen, dem Kinderschutzbund aber auch Ärzten und Hebammen.

In einem Arbeitskreis tauschen sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von sieben Isnyer Einrichtungen, städtische und kirchliche, aus. Derzeit wird ein Dolmetscherpool aufgebaut für Elterngespräche im Kindergarten. Gesucht werden noch alle Sprachen. Vernetzung ist aber auch für die Mitarbeiterinnen des Programms wichtig. Sie treffen sich einmal pro Monat in der Koordinierungsstelle im Jugendamt Ravensburg. Alle Kräfte werden so gebündelt, um Kindern Brücken in eine frühe Bildung zu bauen.

Im Bewegungsraum endet die Spielstunde. Ganz offensichtlich hätten die Kleinen noch gerne weitergemacht. Sara Finus-Hege und die Kinder bilden einen Kreis, fassen sich an den Händen und dann wird hüpfend mehr oder weniger laut „Tschüss“ gerufen. „Rituale sind sehr wichtig“, weiß die erfahrene Erzieherin. Der Abschied fällt schwer aber die eigene Kindergartengruppe lockt dann doch.

Info: Wer sich für Dolmetscheraufgaben melden möchte, schreibt bitte an Sara Finus-Hege unter kitaeinstieg.isny@t-online.de.