Hohe Zufriedenheit mit dem Wirtschaftsstandort Wangen

11.10.2018 Wangen im Allgäu. Die IHK-Standort-Umfrage 2017 zeigt, dass die Unternehmen in der Region Wangen mit dem Standort Wangen im Allgäu eine hohe Zufriedenheit verbinden.

Die Studie wurde von Wolfgang Heine, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik und Unternehmensförderung, auf Einladung des Wangener Wirtschaftskreises im Weberzunfthaus vorgestellt. 78 Prozent der Befragten würden ihren Wirtschaftsstandort anderen Unternehmen bei Ansiedlungsüberlegungen empfehlen. Das sind zwei Prozent mehr als im ganzen Landkreis Ravensburg und fünf Prozent mehr im Vergleich zur Region Bodensee-Oberschwaben, für die die Kammer insgesamt zuständig ist. „Dieses Ergebnis ist sehr gut“, sagte Heine.

Unternehmen expandieren weiter

Die Analytiker haben festgestellt, dass die wirtschaftliche Dynamik in der Region ungebrochen ist. Indikator dafür ist die Frage nach der Expansion: Jedes vierte Unternehmen bejahte die Frage, ob es in den vergangenen drei Jahren ausgebaut habe. Und ein gutes Fünftel antwortete, dass es in den kommenden drei Jahren ausbauen werde. Dies spreche sehr für den Standort.

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Die höchste Bedeutung misst die Mehrheit der Betriebe folgenden fünf Standortfaktoren zu: Breitbandversorgung, Versorgungsicherheit Strom, Wirtschaftsfreundliche Verwaltung, Erreichbarkeit Straße sowie qualifizierte Fachkräfte. Die Nachfrage nach entsprechend qualifiziertem Personal betreffe insbesondere dual ausgebildete Arbeitskräfte vom Koch bis zum IT-Techniker, sagte Heine.

Top-Standort in Sachen Erreichbarkeit

In Sachen Breitband liege Wangen bei leichten Umfrage-Einbußen vergleichsweise weit oben im Vergleich mit anderen Städten und besser als der Landkreis Ravensburg. Beim Thema Gewerbeflächen sieht die IHK die Stadt Wangen im gleichen Boot wie das Schussental oder den Bodenseekreis. „Das Thema ist schwierig“, sagte Heine. „Aber Sie wollen ja Flächen entwickeln.“ Unter den Top-Standorten in der Region liegt die Stadt Wangen in Sachen „Erreichbarkeit auf der Straße“.

Kritisch sieht die IHK die Lücke zwischen Wichtigkeit und Zufriedenheit bei der Beurteilung der Wohnraumfrage durch die Unternehmen. „Wangen ist da derzeit im unteren Drittel, was kritisch ist, weil Wohnen auch ein Standortfaktor ist. Andererseits: da wo es teuer ist, ist es eben oft auch schön“, sagte Heine. Auch die Preise für Gewerbeimmobilien werden als eher hoch angesehen, doch das heiße eben auch, dass es hier gut laufe. Was die Höhe des Hebesatzes der Gewerbesteuer angeht, so liegt Wangen im Mittelfeld. Interessant ist: Hohe Hebesätze bedeuten laut IHK nicht, dass die Wirtschaft gleichzeitig unzufrieden wäre.

Gute Einkaufsmöglichkeiten geschätzt

Die Einkaufsmöglichkeiten werden von den Unternehmen als gut beurteilt. Wangen liegt bei diesem Thema im Mittelfeld, in Sachen Parken liegt die Stadt in der oberen Tabellenhälfte. Über dem Durchschnitt ist Wangen zu finden bei Sport und Freizeit, was auch der Lage in der Region geschuldet sei.

Von 400 befragten Firmen haben 26 Prozent die Umfrage beantwortet, ein Wert mit dem man bei der IHK sehr zufrieden ist.

Oberbürgermeister Michael Lang ordnete im Anschluss der Präsentation die Ergebnisse aus seiner Sicht ein. Dass Flächen und Wohnraum knapp seinen treffe die ganze Region. Mit Blick auf die rund1500 Neuzugezogenen, die OB Lang jedes Jahr in Wangen willkommen heißt, sagte er: „Die Menschen kommen aus ganz Deutschland zu uns.“ Schwierig sei es für Familien mit Kinder auf dem Mietwohnungsmarkt, weil viele Vermieter Paare nach der Kinderphase bevorzugen würden. Oft würden Bewerber auf dem Mietwohnungsmarkt den Kürzeren ziehen, weil sie den falschen Namen hätten. Und so manche Wohnung stehe nicht zur Verfügung, weil sie touristisch genutzt werde.

Gemeinsam handeln in Sachen Wohnraum

„Wenn Sie für Mitarbeiter eine Wohnung finden wollen, dann müssen wir das gemeinschaftlich in Angriff nehmen“, sagte Lang und verwies auf diese Tradition in der früheren Baumwollspinnerei. Die Stadt schaffe in nächster Zeit Wohnraum im Bereich Auwiesen und Wittwais und auch auf dem Gelände der ehemaligen NTW seien Wohnungen vorgesehen. Es gelte Grundstückseigentümer, Investoren und Unternehmen zusammenzubringen, sagte er. Mit Blick auf die Diskussionen um den Wohnungsbau in der Wittwais, sagte Lang, es sei schwierig, allen gerecht zu werden. Den einen seien die Gebäude zu hoch, den anderen zu verdichtet und wieder anderen zu kleinteilig.

Breitband-Diskussion ist doppelzüngig

Zum Thema Breitband sagte Lang: „Die Diskussion ist nicht ehrlich. Alles schaut auf die Kommunen, obwohl die gar nicht zuständig sind.“ In Wangen sei es so, dass drei Breitband-Anbieter in manchen Straßen drei Glasfaserkabel parallel verlegt hätten und andere Gebiet unversorgt seien. Vermutlich seien Investitionen von 50 bis 100 Millionen Euro notwendig, um die ganze Region mit Glasfaser auszustatten. „Wenn man möchte, dass die Kommunen die Probleme lösen, dann muss man ihnen auch die Kompetenzen dafür geben“, sagte Lang und verwies auf Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung, wo dies schon lange so ist.

OB Lang bedankte sich beim Wangener Wirtschaftskreis für sein Mitwirken in der Schuldebatte um das Berufliche Schulzentrum. „Man legt immer mehr zusammen, um Geld zu sparen. Aber Schule und Ausbildungsplatz werden auch danach ausgesucht, ob sie erreichbar sind“, sagte Lang.