In den Hochalpen bei Bad Hindelang entsteht der „Grenzgänger-Weg“

20.9.2018 Bad Hindelang (dk). Selten hat eine Baustelle Menschen so sehr fasziniert und nie zuvor war der Begriff „Wanderbaustelle“ zutreffender als für die aktuelle Bautrasse hoch droben in den Allgäuer Alpen nahe Bad Hindelang (Allgäu).

In alpinem Gelände schlagen Wegebauer derzeit generalstabsmäßig Haken in Felswände ziehen Sicherungs-Drahtseile ein, fixieren Eisenstufen, sichern Wander- und Kletterpfade oder installieren zusätzliche Hinweisschilder.

Einen Blick für das imposante Bergpanorama oder die intakte alpine Flora und Fauna haben die Bauarbeiter nur manchmal, denn es muss schnell gehen: Nur 80 Arbeitstage stehen aufgrund der Witterungsverhältnisse in dem hochalpinen Gelände zur Verfügung. Auf einer Länge von rund 80 Kilometern und 6.000 Höhenmetern entsteht in einem der schönsten Tourengebiete zwischen Deutschland und Österreich auf bestehendem Wegenetz der „Grenzgänger-Weg“.

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Die 2017 gestarteten Baumaßnahmen sind mühsame Klein- und Handarbeit, bei der es darum geht, die Routen sicherer zu machen, ohne in die Strukturen der Natur einzugreifen oder den alpinen Charakter der Wanderwege und Kletterrouten zu verändern.

Alle Wegeabschnitte werden in Absprache mit Grundstückseigentümern und Naturschutzbehörden naturnah gesichert.

„Das Projekt Grenzgänger ist ein außergewöhnliches und im gesamten Alpenraum bislang einmaliges touristisches Projekt. Auf der derzeit wohl längsten hochalpinen Baustelle der Alpen setzen wir bis Ende 2021 Wege instand. Wir werden auf naturverträgliche Art agieren und die Wege auf einen verlässlich hohen Standard in Sachen Qualität und Sicherheit bringen“, sagt Grenzgänger-Projektleiter Thilo Kreier.

„Ein Pfad bleibt auch nach den Arbeiten ein Pfad. Es findet beim Grenzgänger kein Ausbau statt, sondern wir machen die Wege sicherer und wollen unsere Natur erhalten. Das bedeutet unter anderem, dass wir die Tourengeher so lenken, dass unsere großartige Pflanzen- und Tierwelt in den Allgäuer Hochalpen nachhaltig geschützt wird. Das Ziel des Projekts ist ein naturverträglicher und sanfter Tourismus – Kletter- und Wandertourismus um jedem Preis wollen wir nicht“, fügt Thilo Kreier hinzu.

Der Grenzgänger-Weg verläuft auf sechs Etappen auf dem Grenzkamm zwischen Bayern und Tirol. Die Route führt vom beliebten Ferienort Bad Hindelang in den Allgäuer Alpen und der Gemeinde Schattwald im Tannheimer Tal/Tirol (Österreich) bis in die Oberstdorfer Berge, hinüber nach Hinterhornbach hoch über dem österreichischen Lechtal und wieder zurück ins wunderschöne Ostrachtal mit dem Bergdorf Hinterstein.

Die Routen führen größtenteils durch die Naturschutzgebiete Allgäuer Hochalpen und Vilsalpsee. In der beliebten Tourenregion locken verschiedene Bergklassiker – insbesondere die Tour zum „Hochvogel“, der als „König der Allgäuer Alpen“ gilt.

Ausgangspunkt zum Hochvogel und für weitere Touren ist das „Prinz-Luitpold-Haus“: Die auf 1846 Höhenmetern gelegene Hütte des Deutschen Alpenvereins über dem Tal des Bärgündlebachs ist die älteste Schutzhütte in den Allgäuer Alpen. Das Prinz-Luitpold-Haus liegt auch am bekannten Jubiläumsweg, der sich mit dem Grenzgänger entlang der Grenze zu Tirol vorbei am malerischen Schrecksee ein Stück lang sogar die Strecke teilt.

Alle Etappen und Wegstrecken finden sich übrigens auch im Rother-Wanderführer „Grenzgänger-Weg“. Auf 128 Seiten erfahren Interessierte von Autorin Erika Spengler Wissenswertes zu Streckenlängen, Etappenbeschreibungen und Höhenprofilen rund um das Grenzgänger-Projekt sowie zu weiteren 20 Touren, die entlang der Grenzgänger-Route liegen.

„Der Grenzgänger ist ein Ticket in eine andere Welt fernab von Terminen, Verpflichtungen und Konsum. Hier gelten Begriffe wie Staunen, Vorankommen und Wohlergehen“, sagt Autorin Erika Spengler und fügt ergänzend hinzu: „Einen Druck, den Weg komplett am Stück zu laufen, muss man sich übrigens nicht machen. Auf der Grenzgänger-Route führen verschiedene Abstiege direkt wieder ins Tal – man kann also die Tour jederzeit unterbrechen und später wieder weiterlaufen.“

Der Grenzgänger ist ein durch das EU-Programm „Interreg“ unterstütztes Gemeinschaftsprojekt von Bad Hindelang Tourismus sowie den Tourismusverbänden Tannheimer Tal und Lechtal (beide Tirol/Österreich). Weiterer Partner ist die Alpenvereins-Sektion Allgäu-Immenstadt. Das Projekt hat ein Gesamtbudget von 1,55 Millionen Euro und wird von der EU zu 75 Prozent finanziell gefördert.

Eine topografische Wanderkarte im Maßstab 1:25.000 zum Grenzgänger ist kostenlos bei den Tourist Informationen in Bad Hindelang, Oberjoch und im Tannheimer Tal und Lechtal erhältlich. Weitere Informationen zum Grenzgänger-Weg gibt es auf der Internetpräsentation www.grenzgaenger-wandern.com

Die sechs Grenzgänger-Etappen in der Übersicht:

1. Etappe: Schattwald – Willersalpe (Länge 8,7 Kilometer/km; 1073 Höhenmeter (hm); 727 hm; ca. 4 Stunden/h).

Von der Talstation der Wannenjochbahn in Schattwald führt die erste Etappe über die Untere Stuibenalm vorbei an Bschießer, Ponten und Zirleseck zur Willersalpe. Wer erst spät anreist oder den ersten Tag etwas ruhiger angehen möchte, nutzt die Wannenjochbahn und spart sich so ca. 450 Aufstiegshöhenmeter.

2. Etappe: Willersalpe – Landsberger-Hütte (Länge 11,5 km; 1018 m; 674 m; ca. 5 h)

Die zweite Etappe folgt dem Jubiläumsweg über die Vordere und Hintere Schafwanne zum Schrecksee. Absolut trittsichere und schwindelfreie Bergsteiger können zwischen Vorderer und Hinterer Schafwanne die wesentlich herausforderndere Variante über das Rauhorn wählen. Oberhalb des Schrecksees geht es schließlich weiter über den Kirch(en)dachsattel und das Westliche Lachenjoch zur Landsberger Hütte.

3. Etappe: Landsberger-Hütte – Prinz-Luitpold-Haus (Länge 12 km; 1025 m; 979 m; ca. 6 – 7 h)

Die dritte Etappe führt zuerst ein kurzes Stück des Weges vom Vortag zurück, schließlich aber unterhalb von Kalbleggspitze und Lahnerscharte auf dem Jubiläumsweg zum Glasfelder Kopf und von dort hinunter zum Prinz-Luitpold-Haus.

4. Etappe: Prinz-Luitpold-Haus – Hinterhornbach (Länge 15 km; 1180 m; 1842 m; ca. 8 h)

Am 4. Tag geht es nördlich des Wiedemerkopfs vorbei Richtung Himmelecksattel, weiter über Hornbachjoch und Kanzberg nach Hinterhornbach. In Hinterhornbach könnte bei Bedarf unter- oder abgebrochen werden.

5. Etappe: Hinterhornbach – Hinterstein (Länge 24,4 / 16,4 km; 1855 m; 2170 m; ca. 9-10 / 7-8 h)

Die fünfte Etappe führt via Schwabegg, Fuchsensattel und Kalten Winkel auf den Hochvogel und somit den höchsten Punkt des „Grenzgängers“ (2594 m). Vom Gipfel geht es zurück zum Kalten Winkel und über die Balkenscharte und das Prinz-Luitpold-Haus hinab zur Alpe Bärgündele. Von dort aus folgt man zunächst dem schmalen Fußweg, später der Teerstraße Richtung Giebelhaus. Hier bietet sich die Möglichkeit, mit dem Bus weiter nach Hinterstein zu fahren.

6. Etappe: Hinterstein – Schattwald (Länge 13,5 km; 1158 m; 928 m; Dauer ca. 5-6 h)

Am letzten Tag erfolgt, nachdem man die Zipfelsalpe passiert hat, die Überschreitung von Iseler, Kühgundkopf und Kühgundspitze. Von der Kühgundspitze führt der Weiterweg zur Bergstation der Wannenjochbahn.