Legionellenuntersuchung ist verpflichtend

29.6.2018 Lindau (Bodensee). Bei einer Infektion mit der von Legionellen ausgelösten Legionärskrankheit kommt es zu einer schweren Lungenentzündung, die unbehandelt in 15-20 % der Fälle tödlich verläuft.

Eine weitere von Legionellen ausgelöste Erkrankung ist das Pontiac-Fieber mit grippeähnlichen Symptomen. Bundesweit schätzt man mit mindestens 100.000 Erkrankungen aufgrund einer Infektion mit Legionellen.

Die Erreger werden als kleinste Schwebeteilchen im warmen Wasser über die Lunge aufgenommen. Duschen oder die Warmwasserentnahme am Wasserhahn gelten als besondere Gefahrenquellen.

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Deshalb ist die regelmäßige Legionellenuntersuchung für Betreiber von Trinkwasser-Installationen verpflichtend.

Diese müssen eigenverantwortlich durchgeführt und ein Befall muss beim Landratsamt unverzüglich angezeigt werden.

Der Fachbereich Gesundheit am Landratsamt Lindau führt auch immer wieder stichprobenartige Kontrollen durch.

Heuer wurden bereits 250 Betreiber von Trinkwasser-Installationen angeschrieben.

Bürger können sich bei Fragen rund um die Legionellenuntersuchung gerne an das Landratsamt – Gesundheitsamt Lindau – unter der Telefonnummer 08382 270-620 wenden.

Was genau gilt es zu beachten? Welche Untersuchungspflichten auf Legionellen bestehen nach der Trinkwasserverordnung?

Die Untersuchungspflicht auf Legionella spec. besteht für Betreiber von Trinkwasser-Installationen,

wenn Trinkwasser im Rahmen einer öffentlichen und/oder gewerblichen Tätigkeit abgegeben wird und
wenn sich in der Trinkwasser-Installation eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung befindet
und die Trinkwasser-Installation Duschen oder andere Einrichtungen, in denen es zu einer Vernebelung des Trinkwassers kommt, enthält.

Hierzu müssen am Trinkwassererwärmer (Vor- und Rücklauf) geeignete Probenahmeventile installiert sein.

Großanlagen im Sinne der TrinkwV sind:

Speicher-Trinkwassererwärmer oder zentraler Durchfluss-Trinkwassererwärmer jeweils mit einem Inhalt von mehr als 400 Litern und/oder
einem Inhalt von mehr als 3 Litern in mindestens einer Rohrleitung zwischen Abgang des Trinkwassererwärmers und Entnahmestelle; nicht berücksichtigt wird der Inhalt einer Zirkulationsleitung.

Entsprechende Anlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern zählen nicht als Großanlagen zur Trinkwassererwärmung.

Was ist nun eine „gewerbliche“ und „öffentliche“ Tätigkeit?

Unter einer öffentlichen Tätigkeit im Sinne der TrinkwV versteht man Einrichtungen, die von einem wechselnden Personenkreis in Anspruch genommen werden. Hierzu zählen z.B. Krankenhäuser, Altenheime, Schulen, Kindertagesstätten und Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen.

Bei einer öffentlich/gewerblichen Tätigkeit ist neben dem wechselnden Personenkreis auch die Gewinnerzielungsabsicht betroffen. Deshalb sind unter dieser Rubrik z.B. Beherbergungsbetriebe wie Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen mit wechselndem Personenkreis, Gaststätten und Sporteinrichtungen zu verstehen.

Die gewerbliche Tätigkeit bezieht sich auf die ausschließliche Gewinnerzielungsabsicht, zielgerichtet aus einer Tätigkeit resultierend, für die ein Entgelt bezahlt wird. Die wirtschaftliche Tätigkeit muss erkennbar auf Dauer angelegt sein. Hierunter zählen Mehrfamilienhäuser, die an Mieter längerfristig vermietet sind.

Der Parameter Legionella spec. ist bei einer öffentlichen oder öffentlich/gewerblichen Tätigkeit jährlich zu untersuchen.
Bei einer gewerblichen Tätigkeit gilt ein Untersuchungsturnus auf Legionella spec. alle drei Jahre.

Die Auswahl der Probenahmestellen für die systemische/orientierende Untersuchung durch den für die Trink­wasser-Installation verantwortlichen Unternehmer muss „repräsentativ“ erfolgen. Dazu ist das Warmwassersystem mindestens am Vorlauf des/der Trinkwassererwärmer(s), am Zirkulationsrücklauf sowie an jeder letzten Warmwasser-Endabnahme eines jeden Steigstranges zu erfassen.