Ohne uns ist’s immer noch still. Resumée der Münchner Kulturveranstalter zum Lockdownjubiläum

15.3.2021. Ein Jubiläum sollte ein Grund zum Feiern sein. In diesem Fall ist es das Gegenteil, denn es gibt keinen Grund und einen Ort aktuell auch nicht. Seit dem 16.03.2020 ist es still geworden in Deutschland:

Keine Konzerte mehr, die Clubs, Hallen und Kulturzentren wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen.
Schon am 13.03.2020 haben viele Münchner Spielstätten und Clubs ihre Türen geschlossen, um dem sich ausbreitenden Virus keine weitere Angriffsfläche zu bieten.

Seitdem wurden Hygienekonzepte erstellt, OpenAir-Pläne und Öffnungskonzepte geschrieben und Kampagnen gestartet. Doch jetzt, ein Jahr später, stehen viele Bereiche die Kultur- und Veranstaltungsbranche immer noch auf Wiedervorlage für die jeweils nächste Ministerpräsidentenkonferenz.

Die Gitarren jaulten nicht mehr, die Drums polterten nicht und schon lange hingen die Fans nicht mehr gebannt an den Lippen der Sänger*innen, um jede Zeile laut mitzusingen und gemeinsam eng an eng durch die Clubs zu tanzen. Trotz großer Einbußen haben die Kulturveranstalter*innen die Maßnahmen der Regierung nicht nur mitgetragen, sondern zum Teil sogar strenger umgesetzt als nötig, um Verantwortungsbewusstsein zu zeigen.

Dank erster Lockerungen und diverser Hilfsmaßnahmen gab es im Sommer 2020 eine erste Erleichterung nach dem Lockdown. Trotzdem verhinderten starke Beschränkungen der Besucherkapazitäten in Spielstätten nach wie vor eine wirtschaftliche Machbarkeit von Events.

Für Kulturschaffende wurde die Lage in den letzten zwölf Monaten von Woche zu Woche angespannter, die Geldreserven schwinden nach wie vor täglich und sie verlieren vor allem mit jeder Woche, die vergeht, ein bisschen mehr an Sichtbarkeit.

Vor diesem Hintergrund rief der Verband der Münchener Kulturveranstalter e.V. (VDMK) am 7. Juli 2020 zur Aktion „Ohne uns ist’s still“ auf.

Festgehalten mit einem Fotoshooting entstand daraus eine vielbeachtete Plakataktion mit knapp 100 Vertreter*innen der Branche, die bis heute nachwirkt und die über Hannover und Osnabrück mittlerweile in beinah 50 Städten in Deutschland unter dem Titel Kulturgesichter aufgegriffen wurde und über 5.000 Kulturgesichter aus allen Bereichen der Branche zeigt.

Die daraus entstandene Energie möchten wir nun, da sich der Lockdown jährt, nutzen, um nochmals dringend auf die Situation der Kulturschaffenden aufmerksam zu machen und Bilanz zu ziehen.

„Als Kulturveranstalter sorgen wir normalerweise für Freude, anspruchsvolle Unterhaltung sowie besondere Erlebnisse“, so David Süß, Vorstandsmitglied im VDMK. „Derzeit bangen wir um den Erhalt der kulturellen Vielfalt, die München wesentlich kennzeichnet und die Existenz zahlreicher Kulturbetriebe, die seit einem Jahr ohne Einnahmen sind und keinerlei Perspektive für eine Rückkehr zum Normalbetrieb haben.“

Die meisten durften seitdem nicht mehr oder nur kurzzeitig für ein sehr kleines Publikum öffnen. Trotz erster, für einen Teil der Kulturbranche in Aussicht gestellter, Öffnungen, gilt für viele kulturelle Bereiche wie die Clubkultur, Steh- und Tanzkonzerte und viele weitere immer noch ungewisses Bangen. Ob sie bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz Beachtung finden kann keiner sagen.

Ein Punkt um den der Verband der Münchener Kulturveranstalter und viele weitere Veranstalter*innen in Bayern seit dem letzten Jahr immer wieder gekämpft haben, scheint allerdings nun endlich in der Politik angekommen zu sein.

Ende letzter Woche veröffentlichte das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst die Mitteilung, dass die geplanten Öffnungen für Opern, Theater und Konzertsäle nun nicht mehr an eine Besucherhöchstgrenze gekoppelt sind, sondern diese, abhängig von Infektionsgeschehen, den vorliegenden Hygienekonzepten und Abstandsregelungen, an die Saal-Kapazität angepasst werden.

Damit können auch größere Räume wie der Gasteig, der Nockherberg oder die Olympiahalle wieder mit mehr Gästen planen und müssen nicht mehr nach dem 200. Gast die Tür schließen.

Was immer noch dringend fehlt, ist eine Übernahme der Risiken, die unsere Veranstalter*innen eingehen, wenn sie für das kommende dreiviertel Jahr planen.

Damit es bald wieder einen Ort und auch einen Grund zum Feiern und Kultur genießen gibt.