Rekord-Jahr in Sachen Schwarzwild-Abschuss im Unterallgäu

5.6.2018 Landkreis Unterallgäu. Ein Rekord-Jahr in Sachen Wildschweinabschuss liegt hinter dem Landkreis Unterallgäu: 1314 Tiere wurden im Jagdjahr 2017/2018 erlegt – fast doppelt so viele wie im Vorjahr mit 680 Abschüssen.

Landrat Hans-Joachim Weirather dankt den Jägern für ihren Jagdfleiß. „Diese Jagderfolge sind keine Selbstverständlichkeit“, betont er und hofft, dass es gelingt, die Wildschweinpopulation im Landkreis in Grenzen zu halten.

Wie viel Schwarzwild derzeit im Unterallgäu lebt, darüber kann man laut Sonja Stäger von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt nur spekulieren. Selbst Experten lehnten Schätzungen ab, so Stäger. Einziger Anhaltspunkt für die Größe der Wildschweinpopulation sei demnach die „Jagdstrecke“, also die Zahl der erlegten Tiere. Diese lasse darauf schließen, dass immer mehr Wildschweine im Landkreis leben – allerdings seien die Unterschiede zwischen den einzelnen Jagdrevieren groß.

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Während im Arbeitskreis Schwarzwild Angelberg (im Bereich zwischen der Mindel und der Landkreisgrenze im Osten) insgesamt 542 Tiere zur Strecke gebracht wurden, im Kammeltal 383 und im Otterwald 340, so waren es im Bereich Günz-Mindeltal 76 und im Illerwinkel gar nur 14. „Man sieht aber auch hier: das Schwarzwild ist auf dem Vormarsch“, so Stäger. Lebten die Tiere vor wenigen Jahren noch fast ausschließlich nördlich der Autobahn A96, sind sie inzwischen auch südlich der Autobahn zu Gange – in Bereichen, die früher als „schwarzwildfrei“ galten.

Laut Schwarzwildberater Georg Böck vermehrt sich das Schwarzwild weiterhin stark. Eine Bache, also ein weibliches Wildschwein, werfe durchschnittlich sechs bis acht Frischlinge im Jahr. „Auch ist das Schwarzwild einer der größten Profiteure der sich verändernden Kulturlandschaft. Vor allem Mais und Raps bieten dem Schwarzwild Deckung und Futter und somit einen optimalen Lebensraum“, so Stäger. In den Herbst- und Wintermonaten sorgten Buchen- und Eichenbestände zusätzlich für reichlich Futter im Wald. Hinzu kämen mildere Winter, die zu einer geringeren Sterblichkeit bei Frischlingen führten.

„Theoretisch kann sich der Schwarzwildbestand bei den aktuellen Umweltbedingungen innerhalb eines Jahres vervierfachen“, so Stäger. Um Schäden durch die Tiere in Grenzen zu halten, aber auch wegen der Afrikanischen Schweinepest, die nach Tschechien jetzt auch in Ungarn ausgebrochen ist, müsse das Schwarzwild intensiv bejagt werden. Sie weist darauf hin, dass seit März 2018 die früheren Schonzeiten für Schwarzwild ganzjährig aufgehoben worden seien. Einzige Ausnahme seien führende Bachen, also Muttertiere in Begleitung von gestreiften Frischlingen. Diese dürfen nicht bejagt werden.

In begründeten Einzelfällen dürfen im Unterallgäu mittlerweile auch spezielle Nachtsicht-Vorsatzgeräte für die Jagd eingesetzt werden.

Die Abschusszahlen der Arbeitsgemeinschaft Schwarzwild (Landkreis Unterallgäu und Stadt Memmingen) im Überblick:

Jagdjahr Schwarzwildabschuss
2017/2018 1355
2016/2017 702
2015/2016 954
2014/2015 683
2013/2014 564
2012/2013 946
2011/2012 591
2010/2011 831
2009/2010 537
2008/2009 528
2007/2008 545
2006/2007 223
2005/2006 360
2004/2005 471