“Samstagspilgern” im Westallgäu

3.4.2013. Lindau (Bodensee) – Touristiker und Kirchen bringen mit dem „Samstagspilgern“ gemeinsam ein neues Angebot auf den Weg. Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein macht die Tourismusregion im westlichen Allgäu ein nicht alltägliches Angebot. Beim „Samstagspilgern“ können sich Interessierte – Gäste wie Einheimische – auf den Weg machen.

Das Samstagspilgern ist ein Angebot der „Kraftquelle Allgäu“, die von den Touristikern der Werbegemeinschaft Westallgäu und der Ferienregion Allgäu-Bodensee sowie von zahlreichen weiteren Fachleuten im letztjährigen Produktentwicklungsprozess entwickelt wurde. Ziele des vom Regionalen Tourismusmanagement des Landkreises Lindau (Bodensee) ins Leben gerufenen Prozesses waren u.a. das Sichtbarmachen der touristischen Angebotsvielfalt, die Vernetzung mit anderen Regionen sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch Schaffung von Angeboten mit klarem Profil.

Als Schwerpunkte wurden u.a. die Themen „Westallgäuer Wasserwege“ und „Westallgäuer Käsestraße“ definiert. Sowohl die „Jakobus- und Martinuspilgerwege“, als auch die Angebotsvielfalt rund um die Allgäuer Kräuter bilden weitere Schwerpunkte für die „Kraftquelle Allgäu“. Denn den Allgäuern ist ihre Landschaft seit jeher eine Kraftquelle. Es existieren zahlreiche Möglichkeiten, im Rhythmus der Jahreszeiten und in Übereinstimmung mit seit Jahrhunderten überlieferten kirchlichen und weltlichen Bräuchen dem natürlichen Lebensrhythmus nachzuspüren.

Eine wichtige und zentrale Kraftquelle ist dabei auch der christliche Glaube, der diese Region bis heute prägt. Sichtbar ist das an den vielen Kirchen, Kapellen und Wegkreuzen. Sichtbar ist es auch an kleinen Tafeln, die schon länger einzelne Etappen der großen Martinus- und Jakobuswege ausschildern.

Was bisher eher den „Pilger-Insidern“ vorbehalten war, wollen die Touristiker in der Ferienregion Allgäu-Bodensee und Westallgäu in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Dekanat Allgäu – Oberschwaben und der evangelischen Pfarrerin Ingrid Ossig aus Scheidegg nun einem größeren Personenkreis erfahrbar machen. Für das Jahr 2013 haben sie deshalb zusammen ein Angebot aufgelegt, das 42 geführte Pilgerwanderungen im westlichen Allgäu ermöglicht. An fast jedem Samstag zwischen dem 23. März und dem 26. Oktober können sich Menschen gemeinsam auf den Weg machen.

Wer pilgert, bricht auf und lässt Dinge zurück, er wandelt sich, geht auf Spurensuche und konzentriert sich auf das Wesentliche. Bei manchen Angeboten des Samstagspilgerns gibt es meditative Impulse. Dennoch: Auch wenn man in einer Gruppe losgeht, pilgert doch jeder für sich. Manche Samstagspilgerwege stehen unter einem Thema wie „Nimm dir Zeit die Stille zu hören“ oder „Kleinode am Opfenbacher Kapellenweg“. Am 25. Mai können sich etwa Kinder und Eltern gemeinsam beim „Familienpilgern“ auf den Weg machen.

„Das Samstagspilgern ist ein neues Angebot, das wir so noch nie hatten,“ sagt die Geschäftsführerin der Ferienregion Allgäu-Bodensee, Belinda Unger. Sie hat das Programm gemeinsam mit den Touristikern der Werbegemeinschaft Westallgäu aus dem benachbarten Landkreis Lindau entworfen. Mit den Kirchen wurde eine Gruppe ins Boot geholt, die nicht typischerweise mit Tourismus zu tun hat. Der Begriff des „Samstagspilgerns“ hat tatsächlich Ingrid Ossig schon vor ein paar Jahren geprägt. Sie hat das samstägliche Pilgern in der Schweiz kennengelernt und bietet es in ihrer Gemeinde schon länger an. Zwischen acht und 50 Personen waren an einem Samstag bei ihren Pilgerwegen bisher dabei. „Es ist ein anderes Wandern, als wenn man eine geführte touristische oder sportliche Wanderung bucht. Es ist schön zu gehen, ohne auf den Weg achten zu müssen. Manchmal gibt es Impulse, manchmal wird auch nur geschwiegen“, sagt die Pfarrerin.

Auch Florian Müller vom katholischen Dekanat Allgäu-Oberschwaben ist begeistert von dieser Art der Kooperation. „Es ist gut, wenn unsere Kirche mit anderen positiv gestaltenden gesellschaftlichen Institutionen zusammenarbeitet“, sagt Müller. Das Pilgern eignet sich seiner Ansicht nach dazu aus mehreren Gründen. „Pilgern hat sowohl innerkirchlich als auch gesellschaftlich eine neue Aktualität bekommen, wie kaum eine andere Form der Spiritualität. Wir brauchen dabei nichts ganz neu zu erfinden, sondern nur wieder Zugang zu bekommen zu einer uralten Tradition unserer christlichen Kirche. Das Pilgern scheint für viele suchende Menschen die Form zu sein, bei der sie ihrer Begegnung mit Gott im Sinne des Wortes ‚nachgehen‘ können.“ Ein absoluter Vorteil: Für das „Samstagspilgern“ musste keine neue Infrastruktur geschaffen werden. Die Wege sind bereits seit vielen Jahren vorhanden. Manche Stationen am Weg laden seit Hunderten von Jahren Menschen dazu ein, innezuhalten.

Info: Die Samstagspilgerwege sind unterschiedlich lang – von eineinhalb Stunden bis zu einem ganzen Tag kann der Weg dauern. Begleitet werden die Pilger von Menschen, die Erfahrung mit dieser Art der Spiritualität haben. Sie stehen auch als Ansprechpartner zur Verfügung, wenn sich beim Pilgern Gesprächsbedarf entwickelt. Unterwegs versorgen sich die Teilnehmer selber mit mitgebrachtem Essen und eigenen Getränken. Die Anfahrt und die Rückreise organisieren die Teilnehmer ebenfalls selbst. Die Touren sind so angelegt, dass die Rückkehr mit Bus oder Zug möglich ist.

Die attraktiv aufgemachte Broschüre fasst in übersichtlichen Kurzbeschreibungen die wichtigsten Informationen zum jeweiligen Samstagspilgern zusammen. Sie liegt bei den Tourist-Informationen der Region und den Kooperationspartnern aus.