Stadtrat Lindau berät über Giebelbach – Betroffene können sich noch einbringen

25.11.2020 Lindau (Bodensee). Die Erschließung des Giebelbachviertels steht auf der Tagesordnung des Lindauer Stadtrats am Dienstag, 1. Dezember, 18 Uhr, in der Inselhalle. „Leider können wir wegen Corona keine Informationsveranstaltung für die Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort mehr anbieten“, bedauert Lindaus Oberbürgermeisterin Claudia Alfons. Sie stellt aber auch klar: „Natürlich besteht für alle Betroffenen die Möglichkeit, ihre Einwände im Rahmen des Anhörungsverfahrens einzubringen, welches Bestandteil des durch die Bahn als Vorhabensträgerin angestoßenen Planänderungsverfahrens sein wird.“

Federführend für das Projekt ist demnach die DB Netz AG. Die Stadt Lindau ist gemäß dem Eisenbahnkreuzungsgesetz nur im Rahmen der sogenannten Mitwirkungspflicht beteiligt. Dennoch hätte Alfons gern mit den Anwohnerinnen und Anwohnern direkt über die erarbeiteten Lösungen gesprochen. „Dies ist leider nicht möglich, aber ich möchte wenigstens die Information dazu möglichst breit streuen“, sagt sie.

Der Stadtrat hat bereits in seiner Septembersitzung beschlossen, dass Giebelbachviertel künftig von der Wackerstraße her zu erschließen. Dabei wählten die Räte einen Trassenverlauf zwischen Tennisanlage und Kleingärten als die vergleichsweise verträglichste Lösung.

Die vormals als Variante 2 bezeichnete Trasse verläuft am nördlichen Rand des Landschaftsschutzgebietes und zu großen Teilen auf bereits heute intensiv genutzten Flächen wie dem Parkplatz und der Tennisanlage. Die Trasse führt über den Parkplatz bei der Tennisanlage über den westlichsten Tennisplatz, vorbei an der Tennishalle und zwischen der Wohnbebauung und der Kleingartenanlage bis ins Giebelbachviertel.

Der neuen Trasse fallen allerdings leider fünf Kleingärten, das WC der Kleingärtner, ein Tennisplatz und Teile des Parkplatzes zum Opfer. „Ich bin sehr froh, dass wir hier aber gute Lösungen im Einvernehmen mit den Betroffenen entwickeln können“, sagt Alfons. Die fünf Kleingärtner erhalten andere Parzellen in dieser Kleingartenanlage. Der Tennisverein bekommt einen neuen Tennisplatz und neue Pkw-Stellplätze als Ersatz für den entfallenen Vereinsparkplatz. Zudem soll das Gerätehaus des Tennisvereins auf die nördliche Seite der neuen Erschließungsstraße verlegt werden.

Auf Wunsch des Stadtrats hat die Stadtverwaltung drei Untervarianten dieser Trassenführung untersucht. Die Untervariante 2A ist eine Straße mit Gehweg und südlichem Anschluss an das Quartier. Sie gilt aus fachlicher Sicht als vorzugswürdige Variante.

Die Straße wurde mit dem beschlossenen Fahrbahnquerschnitt von 5,5 Meter und einem Gehweg von 2,5 Meter geplant und läuft zwischen Landschaftsschutzgebiet und Tennisanlage. Aufgrund eines querliegenden Privatgrundstücks schwenkt die Erschließungsstraße am Rande des Quartiers nach Süden und mündet in Verlängerung der bestehenden Giebelbachstraße ins Giebelbachviertel.

Sie bietet eine Reihe von Vorteilen: Der Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet und in den vorhandenen Baumbestand wird möglichst gering gehalten und möglichst wenige Grünflächen werden neu überbaut.

Die schmale Fahrbahn und der rechtwinklige Schwenk um die Wohnbebauung herum unterstützen die gewünschte verkehrsberuhigte Funktion der Straße. Mit dem separaten Gehweg ist die Verbindung auch für Fußgänger attraktiv und sicher. Der neue Gehweg bietet eine zusätzliche barrierefreie Verbindung zur Bushaltestelle in der Wackerstraße und zu den vorhandenen Freizeiteinrichtungen (Bolzplatz, Tennisanlage). Entlang der Straße werden neue Bäume gepflanzt, östlich eine komplett neue Baumreihe und westlich einzelne Bäume in Ergänzung des vorhandenen Baumbestands.

Die Untervariante 2B entspricht von der Wackerstraße bis vorbei an der Tennishalle der Untervariante 2A. Alternativ zur Untervariante 2A könnte man nach der Tennishalle mit der Straßentrasse leicht nach Osten schwenken und direkt über das dortige Privatgrundstück an den Quartiersplatz Bürgermeister-Thomann-Weg anschließen.

Diese etwas kürzere Trassenvariante greift aber stark in die Eigentumsrechte der Grundstückseigentümerin ein. Sie hat bereits mit dem Bau des ersten von drei fertiggeplanten Gebäuden begonnen und müsste die beiden noch nicht begonnenen Gebäude komplett neu planen. Hierfür würden Kosten im höheren sechsstelligen Bereich entstehen. Außerdem müssten die beiden Gebäude in Richtung Landschaftsschutzgebiet verschoben und verkleinert werden.

Zudem erlaubt die Straßenbreite im Bürgermeister-Thomann-Weg nicht den gewünschten Straßenquerschnitt mit Gehweg bis zur bestehenden Giebelbachstraße durchgängig umzusetzen. Bei dieser Untervariante müsste man den bestehenden Straßenabschnitt zwischen dem Quartiersplatz Bürgermeister-Thomann-Weg und der bestehenden Giebelbachstraße ebenfalls ausbauen und zusätzliche private Grundstücksflächen überbauen.

Die Untervariante 2C entspricht der beschriebenen Untervariante 2A. Lediglich auf den Gehweg wird ersatzlos verzichtet. Dies war ein Prüfauftrag des Stadtrats, um den Flächenverbrauch möglichst gering zu halten. Auf einen Gehweg kann aber nach dem Regelwerk nur verzichtet werden, wenn die verkehrliche Belastung unter 500 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden liegt. Das derzeit vorliegende Verkehrsaufkommen liegt bei 1.125 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden. Außerdem entspricht die Lösung mit Gehweg der Zielsetzung des Nahmobilitätskonzeptes zur Verbesserung der Situation für Fußgänger im Stadtgebiet.

Der weitere Ablauf sieht vor, dass die Genehmigungsplanung am 4. Dezember beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht wird. Alle Betroffenen können im Zuge des Anhörungsverfahrens die Unterlagen sichten. Die Planunterlagen werden in den Gemeinden und Städten ausgelegt, die von dem Vorhaben berührt sind, sodass die Betroffenen Einwendungen erheben und die Träger öffentlicher Belange (Behörden und andere Stellen) ihre Stellungnahmen abgeben können. In Lindau werden die Pläne voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2021 im Stadtbauamt ausgelegt. Den entsprechenden Termin wird die BZ bekanntgeben.