Sterbende sollen möglichst heimatnah versorgt werden

27.3.2018 Landkreis Unterallgäu. Die heimatnahe Versorgung sterbender Menschen weiter ausbauen: Das ist das Ziel eines neuen Konzepts, das der Landkreis Unterallgäu und die Stadt Memmingen gemeinsam mit dem Sankt Elisabeth Hospizverein Memmingen-Unterallgäu umsetzen möchten.

Wie dieses aussehen soll, stellten Landrat Hans-Joachim Weirather sowie Thomas Roth und Dr. Manfred Nuscheler vom Hospizverein nun vor.

Geplant ist, das stationäre Angebot für Sterbende zu erweitern und dieses von einem auf drei Plätze aufzustocken. Während es derzeit nur im Heim St. Georg in Mindelheim ein sogenanntes Hospizzimmer gibt, soll es künftig auch im Memminger Bürgerstift und im Kreis-Seniorenwohnheim St. Martin in Türkheim eine hospizliche Betreuung geben. In Ergänzung zur Betreuung durch die Mitarbeiter der Seniorenheime will der Hospizverein zusätzliches Fachpersonal zur Verfügung stellen. An den Kosten dafür wollen sich Stadt und Landkreis beteiligen.

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„Mit diesem neuen, alternativen Angebot wollen wir nicht in Konkurrenz zu den wichtigen und uns partnerschaftlich verbundenen stationären Hospizen in Kempten und Illertissen treten“, betonte Dr. Manfred Nuscheler. Vielmehr wolle man ein Angebot für diejenigen schaffen, für die der Gang ins Hospiz nach Kempten oder Illertissen nicht in Frage kommt. Denn das sei für manche zu weit weg von zuhause.

Neben dem stationären Angebot wollen der Hospizverein und die Pallium gGmbH, deren Geschäftsführer Nuscheler ist, Sterbende und Schwerstkranke weiterhin zum Großteil ambulant betreuen. Eine Versorgung zuhause ist laut Nuscheler der Wunsch der meisten Patienten. Denn die allermeisten würden, wenn möglich, am liebsten in den eigenen vier Wänden sterben. Ein Platz in einem stationären Hospiz werde bei einem optimalen Ausbau der ambulanten Versorgung nur von einem Bruchteil benötigt und in Anspruch genommen.

Das neue Konzept sieht laut Landrat Weirather aber auch eine finanzielle Unterstützung der Hospize vor, die von den Unterallgäuern und Memmingern in Anspruch genommen werden. So wollen Stadt und Kreis zum Beispiel auch das in Kempten geplante Allgäu-Hospiz fördern. In welcher Höhe müsse allerdings noch geklärt werden, so Weirather.

Vertreter der Einrichtung hatten im vergangenen Jahr um einen Zuschuss für den Neubau gebeten. Stadt und Kreis wollten zunächst jedoch erörtern, ob trotz der bereits sehr guten ambulanten Versorgung in der Region die Errichtung eines eigenen, gemeinsamen Hospizes sinnvoll wäre. Nun ist Weirather zufolge jedoch klar: Das ist nicht der Fall.

Wie Thomas Roth vom Hospizverein erläuterte, rechnet das Sozialministerium mit einem Hospizplatz pro 60.000 Einwohner. Für Memmingen und das Unterallgäu ergebe sich damit ein Bedarf von drei Plätzen. Eine eigenständige Einrichtung lasse sich damit jedoch nicht realisieren. Sie würde von den Krankenkassen nicht genehmigt werden, sagte Roth. Für einen wirtschaftlichen Betrieb seien aktuell mindestens zwölf Plätze anzustreben.

Das neue Konzept zur Betreuung Sterbender wird vom Landkreis Unterallgäu und der Stadt Memmingen gemeinsam mit dem Sankt Elisabeth Hospizverein erarbeitet. Vor der Umsetzung muss dieses noch in den jeweiligen kommunalpolitischen Gremien behandelt und beschlossen werden.