Untere Naturschutzbehörde stellt Schutzgebiete Unterreitnauer Moos und die „Obere Argen“ vor

13.9.2019 Landkreis Lindau. Bekannt ist die Attraktivität und besondere Schönheit der Landschaft am Bodensee und im Westallgäu. Weniger bekannt ist, dass hier eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen lebt, die bayernweit nur noch im Landkreis Lindau vorkommen. Diese gilt es besonders zu schützen.

Gemeinsam mit Mitarbeitern der im Landratsamt angesiedelten Unteren Naturschutzbehörde hat Landrat Elmar Stegmann zwei Schutzgebiete im Landkreis besucht und sich mit ihnen über die Besonderheiten ausgetauscht: Das Unterreitnauer Moos und die „Obere Argen“.

Eines der größten Schutzgebiete im Bodenseebecken ist das Unterreitnauer Moos zwischen Bodolz und Unterreitnau. Hier ist durch eine generationenübergreifende und extensive landwirtschaftliche Nutzung eines der bedeutendsten Feuchtgebiete im Landkreis entstanden.

Aufgrund des nassen Moorbodens sind die Wiesen des Mooses nur schwer zu bewirtschaften. „Zusammen mit Landwirten aus der Region ist es der Unteren Naturschutzbehörde gelungen, knapp 20 ha wertvollste Nasswiesen zu pflegen und so die Artenvielfalt und das Kulturerbe unserer Landschaft zu erhalten. Denn Streuwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen in Bayern“, informiert Jörg Günther, Mitarbeiter des Landratsamtes.

Eine große Besonderheit im Unterreitnauer Moos ist die Schiefkopfheuschrecke – der Name ist Programm. Diese Art wurde 1995 erstmals in Deutschland und zwar im Unterreitnauer Moos wiederentdeckt. Hier hat sie sich mittlerweile wieder etwas ausgebreitet, kann in Bayern aber nach wie vor fast nur im Landkreis Lindau beobachtet werden. Auch die hohe Artenzahl von Schmetterlingen macht das Unterreitnauer Moos zu einem landesweit bedeutsamen Feuchtbiotop.

Die Vielfalt des Landkreises Lindau zeigt sich auch an der Oberen Argen. Landrat Elmar Stegmann und seine Kollegen haben dort zwei Alpensalamander zu Gesicht bekommen. Im Westallgäu kommt der schwarzgefärbte Alpensalamander fast nur in naturnahen Tobelwäldern mit Quellen und kleinen Bächen vor. Weltweit ist die Art nur in den Alpen beheimatet.

„Der Landkreis Lindau hat deshalb für die Erhaltung der Vorkommen eine besondere Verantwortung“, erklären die Fachleute von der Unteren Naturschutzbehörde.

Der Landrat informierte sich an der Oberen Argen auch über ökologisch besonders wertvolle Flächen. Teile davon wurden vom Landkreis mit Förderung des Freistaates Bayern angekauft. Bei diesen handelt es sich um Flächen, die bereits überwiegend als Biotope geschützt sind. Auf diesen nassen, nicht gedüngten, aber regelmäßig gemähten Flächen konnte sich eine artenreiche Lebensgemeinschaft entwickeln. Dazu gehören insbesondere seltene Orchideenarten wie der Sumpfglanzstendel oder das Sumpfherzblatt.

Dauerhaft lassen sich auf den angekauften Ökoflächen wichtige Ziele – auch der aktuellen Umweltpolitik – umsetzen: Biodiversität, die Erhaltung der Eigenart der Landschaft und die Wiederherstellung artenreicher Wiesen in Kooperation mit Landwirten und dem Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu. „Der Ankauf von Flächen ist meist auch für die Wiedervernässung und Wiederbelebung unserer Moore als Lebensraum und für den Klimaschutz erforderlich“, so Günther.

Landrat Elmar Stegmann zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der zu beobachtenden Tiere und Pflanzen. „Der Landkreis Lindau ist Heimat für zahlreiche Natur-Juwelen in Bayern. Die Anpassung dieser Tier- und Pflanzenarten an bestimmte Nischen in der Natur und ihre hochspezialisierten Lebensweisen beeindrucken. Wir haben die Pflicht, diese Schatzkammern in unserem Landkreis gemeinsam mit allen Beteiligten zu erhalten, weiterzuentwickeln und für unsere Kinder zu bewahren.“

Übrigens können beim Tag der offenen Tür des Landratsamts Lindau am Sonntag, 22. September 2019 alle Interessierten ab 11 Uhr viele weitere Informationen über die heimische Natur, ihre Tiere und Pflanzen bekommen. Die Untere Naturschutzbehörde und der Landschaftspflegeverband stellen sich vor und laden ein zu einem spannenden Streifzug durch unsere Natur.