Wirtschaftliche Beziehungen zwischen Memmingen und der Ukraine angedacht

25.10.2018 Memmingen. Städtepartnerschaft mit Tschernihiw soll auf wirtschaftlicher Ebene vertieft werden – Erstes ukrainisch-deutsches Unternehmergespräch im Rathaus.

Die seit 27 Jahren bestehende Partnerschaft zwischen der ukrainischen Stadt Tschernihiw und Memmingen soll zukünftig im Bereich der Wirtschaft vertieft werden. Dies erläuterte Oberbürgermeister Manfred Schilder bei einer Pressekonferenz anlässlich eines ersten ukrainisch-deutschen Unternehmergesprächs im Rathaus.

„Bisher hatten wir vor allem eine Bildungspartnerschaft und einen kulturellen Austausch. Bei unserem letzten Besuch in Tschernihiw wurde deutlich, dass das Interesse an einem Aufbau von Geschäftsbeziehungen zum beiderseitigen Nutzen groß ist“, erklärte Oberbürgermeister Schilder. Unternehmerinnen und Unternehmer aus Memmingen und der näheren Umgebung waren daher zu einem wirtschaftlichen Gedankenaustausch mit ukrainischen Vertreterinnen und Vertretern der Politik, der IHK und von Unternehmen in Tschernihiw eingeladen.

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Sollten Memminger Unternehmen in Tschernihiw investieren wollen, sagte Vladyslav Atroshenko, Oberbürgermeister der 300.000-Einwohner-Stadt Tschernihiw, die Hilfe der Politik zu.

„Wir werden jede Art von Unterstützung leisten“, betonte er. „In 27 Jahren ist kein einziger Arbeitsplatz aus unserer Städtepartnerschaft heraus geschaffen worden“, führte Atroshenko aus. Fachkräfte gebe es in Tschernihiw, viele würden allerdings nach Polen abwandern. Als Stadtoberhaupt stehe er in der Verantwortung, seine Heimatstadt weiterzuentwickeln. „Ich bin um jeden Arbeitsplatz froh“, erklärte Atroshenko.

Als Beispiel für eine deutsch-ukrainische Kooperation stellte Atroshenko eine mögliche Zusammenarbeit der Stadt Tschernihiw mit der ebe Europa GmbH vor, einem Hersteller von Elektrobussen in Memmingen, die bei dem aktuellen Besuch der Wirtschaftsdelegation aus Tschernihiw angedacht worden sei. In Tschernihiw gebe es für den öffentlichen Personennahverkehr 75 Oberleitungsbusse, allesamt veraltet. In den nächsten Jahren stehe ein Kauf von rund 20 Elektrobussen an. „Zusätzlich zur Lieferung von Elektrobussen muss eine Infrastruktur für die Wartung geschaffen werden“, erläuterte Atroshenko.

Zudem würde er sich längerfristig eine Produktion in Tschernihiw wünschen. „Die Überleitungsbusse gibt es in vielen Städten, der Markt für Elektrobusse ist da. Wir sind bereit, in das Projekt so richtig einzusteigen“, erklärte der ukrainische Oberbürgermeister.

Unterstützung für deutsche Firmen, die in der Ukraine investieren, gibt es auch von Seiten der Industrie- und Handelskammern (IHK), der deutschen wie auch der ukrainischen. Der Präsident der IHK Tschernihiw, Kostynatyn Ivanov, erläuterte, dass die IHK zahlreiche praktische Dienstleistungen anbietet wie Zollanmeldungen oder Zertifizierungen. Für Firmen aus Memmingen stehe er jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

Durch die Auseinandersetzungen um die Krim hatten die Wirtschaftsbeziehungen mit der Ukraine 2014 einen starken Rückgang erfahren, erklärte Markus Anselment, Regionalgeschäftsführer der IHK Memmingen/Unterallgäu. „Dies hat sich mittlerweile geändert“, betonte er. Der Export von Bayern in die Ukraine sei 2016/2017 um 24 Prozent gestiegen, der Import aus der Ukraine nach Bayern sogar um 33 Prozent. „Das Wirtschaftsgespräch war sehr wichtig, um Unternehmer aus Memmingen und Tschernihiw zusammenzubringen und Investitionsmöglichkeiten auszuloten.“

„Ein Anfang ist gemacht“, resümierte Oberbürgermeister Atroshenko. „Wir haben uns kennengelernt. Jetzt sollte es weitergehen.“

Gemeinsam wollen sie die Städtepartnerschaft zwischen Memmingen und Tschernihiw auf der wirtschaftlichen Ebene vertiefen (von links): IHK Regionalgeschäftsführer Markus Anselment, Oberbürgermeister von Tschernihiw Vladyslav Atroshenko, Oberbürgermeister Manfred Schilder und Kostynatyn Ivanov, Präsident der IHK Tschernihiw (Foto: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)