Zahlreiche Unterallgäuer Kommunen bauen Kinderbetreuung aus

17.5.2019 Landkreis Unterallgäu. Auch in diesem Jahr besuchen wieder mehr Kinder die Unterallgäuer Krippen und Kindergärten. Um dem steigenden Bedarf zu begegnen, bauen viele Gemeinden ihre Kinderbetreuung aus und schaffen zusätzliche Plätze. Darüber informierte Saskia Nitsche nun in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Unterallgäuer Kreistags.

Nitsche ist beim Kreisjugendamt am Landratsamt für die Jugendhilfeplanung zuständig. In der Sitzung präsentierte sie Erhebungen zur Kinderbetreuung.

„Die 93 Kindertageseinrichtungen im Unterallgäu sind zu 85 Prozent ausgelastet“, sagte Nitsche. Dass 15 Prozent der Plätze frei seien, bedeute aber nicht, dass das Angebot ausreichend sei. Denn zum einen komme es immer auf den örtlichen Bedarf an, der von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein kann, zum anderen auf den individuellen Bedarf der Eltern. Dabei müssten Fragen berücksichtigt werden wie „Welche Öffnungszeiten braucht die Familie? Wo arbeiten die Eltern? Kann ein Platz auf dem Arbeitsweg angeboten werden? Und ist die Entfernung zumutbar?“

Die Erhebungen zur Kinderbetreuung hätten gezeigt, dass vor allem in den Städten und größeren Gemeinden im Unterallgäu Handlungsbedarf bestehe, so Nitsche. „Viele Einrichtungen sind voll.“ In einigen Kommunen seien zusätzliche Plätze notwendig, um auch künftig dem Bedarf gerecht zu werden.

Das Kreisjugendamt stehe diesbezüglich in Kontakt mit den Städten und Gemeinden. So gut wie alle betroffenen Kommunen seien bereits dabei, ihre Kinderbetreuung auszubauen oder Pläne zu machen. In vielen Orten gebe es auch Übergangslösungen für die Zeit, bis die neuen Kindertageseinrichtungen fertig seien. Zudemhabe das Kreisjugendamt die Kommunen darauf hingewiesen, einen möglichen zusätzlichen Bedarf bei der Kinderbetreuung bei Neubaugebieten und sonstigen Bauvorhaben zu berücksichtigen.

26 Prozent der Unterallgäuer Kinder unter drei Jahren werden laut Nitsche in einer Krippe betreut, drei Prozent sind bei einer Tagesmutter. 97 Prozent der Kinder über drei seien im Kindergarten. Alle Kinder ab einem Jahr haben der Jugendhilfeplanerin zufolge einen rechtlichen Anspruch auf Betreuung in einer Kindertageseinrichtung oder in Tagespflege.

Die Jugendhilfeplanung ermittle, welche Angebote es gebe, welcher Bedarf künftig bestehe und was getan werden müsse, erläuterte Jugendamtsleiterin Christine Keller. Dabei nehme man zum einen die Kinderbetreuung unter die Lupe, zum anderen aber auch die Jugendarbeit und die Hilfen zur Erziehung im Landkreis. Der Kindertagesbetreuung habe sich das Jugendamt als erstes gewidmet, da sich abgezeichnet habe, „dass sich die Situation im Unterallgäu verschärft“. Als nächstes seien die Jugendarbeit und die Hilfen zur Erziehung an der Reihe. Es sei eine sogenannte Sozialraumanalyse geplant, die auch für diese Bereiche konkrete Handlungsempfehlungen liefern solle.

Weitere Themen in Kürze:

Jugendsozialarbeit an Bad Wörishofer Berufsschule zugestimmt: Auch an der Staatlichen Berufsschule Bad Wörishofen gibt es künftig Jugendsozialarbeit. Der Jugendhilfeausschuss sprach sich einstimmig für eine halbe Stelle ab Januar 2020 aus. Bei der Schule handelt es sich um eine Außenstelle der Staatlichen Berufsschule Mindelheim. In Mindelheim und an der Außenstelle Memmingen gibt es bereits Jugendsozialarbeit. Da auch in Bad Wörishofen Bedarf bestehe und die anderen beiden Standorte gute Erfahrungen gemacht hätten, beantragte nun auch diese Schule Jugendsozialarbeit. Wie Sven Meyer-Huppmann, ständiger Vertreter des Schulleiters der Staatlichen Berufsschule Mindelheim, erläuterte, besuchen rund 570 Schüler die Außenstelle Bad Wörishofen. Die Probleme reichen nach seinen Worten von Überforderung und Schulangst bis hin zu unzureichender Unterstützung im sozialen Umfeld oder familiären Problemen. Jugendsozialarbeit gibt es laut Jugendamtsleiterin Christine Keller im Unterallgäu neben der Staatlichen Berufsschule auch an allen Mittelschulen sowie am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Mindelheim.

Schwabenhilfe fördert Kinder: Über die Schwabenhilfe für Kinder informierte Geschäftsführer Werner Krause den Jugendhilfeausschuss. Bei der Schwabenhilfe handelt es sich um einen Verein zur sonderpädagogischen Förderung von Vorschulkindern und Schulkindern. Von den 74 Gruppen in Schwaben nehmen sieben Unterallgäuer Kinder auf. Drei Gruppen befinden sich laut Jugendamtsleiterin Christine Keller in Memmingen, vier in Mindelheim. Die Schwabenhilfe fördert und begleitet Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Sprachschwierigkeiten oder besonderem Unterstützungsbedarf bei der Entwicklung ihres Sozialverhaltens. Mitglieder des Vereins sind neben dem Bezirk alle Landkreise bis auf Dillingen sowie alle kreisfreien Städte im Regierungsbezirk Schwaben. Diese zahlen eine Umlage an den Verein, die 2017 erhöht wurde, um an jedem Standort eine Zweitkraft einzustellen. Dies hat sich laut Schwabenhilfe-Geschäftsführer Werner Krause bewährt. Der Landkreis Unterallgäu zahlt 2019 eine Umlage in Höhe von 63.000 Euro an die Schwabenhilfe.