18.3.2022 – Pressekonferenz Polizeiliche Kriminalstatistik 2021 der Münchner Polizei

18.3.2022 München. In München zu leben, heißt sicherer zu leben. Darauf hat Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2021 am Freitag (18.3.2022) in München hingewiesen.

„In nahezu allen Bereichen hat sich die Kriminalstatistik in München faktisch positiv entwickelt“, betonte der Polizeipräsident und erklärte zugleich:

„Bei einer Einordnung oder Interpretation dieser Daten müssen jedoch eindeutig die pandemische Situation sowie die daraus resultierenden infektionsschutzrelevanten Maßnahmen im vergangenen Jahr berücksichtigt werden.“

Die Kriminalstatistik ist ein wichtiger Effizienzparameter für Polizeiarbeit und in München schon immer sehr gut. Aber noch nie seit 1980 wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München weniger Straftaten als im vergangenen Jahr registriert.

Mit einem Rückgang von -10,6 % ist die Zahl der Gesamtstraftaten (ohne AufenthG) auf 87.115 Delikte und damit auf einem erneuten Tiefststand gesunken. Diese Entwicklung ist insbesondere auf die Rückgänge bei den Diebstahlsdelikten (-19,2 %), Callcenterbetrug (‑28,4 %) und Körperverletzungsdelikten (-14,8 %) zurückzuführen.

(Quelle: Bayerische Polizei)

Ein Anstieg war hingegen vor allem bei Cybercrime (+5,5 %) und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften (+15,6 %) zu verzeichnen. Beinahe zwei Drittel aller Straftaten wurden aufgeklärt. „Gleichwohl wir weniger Straftaten zu verzeichnen hatten, wurden im Verhältnis mehr Fälle aufgeklärt und Tatverdächtige ermittelt“, informierte der Polizeipräsident hinsichtlich der abermals gesteigerten Aufklärungsquote von 64,4 %.

Mit einem Rückgang von -14,3 % auf 3.496 Fälle ist die registrierte Gewaltkriminalität im Jahr 2021 stark gesunken. „Damit sind nur rund vier Prozent aller registrierten Delikte in München Gewalttaten“, erläuterte der Polizeipräsident und konstatierte: „Gewalt lässt fast immer Narben zurück, denn sie wirkt auf vielen Ebenen.“ Opferschutz und Opferhilfe spielen daher bei der Münchner Polizei schon immer eine äußerst wichtige Rolle, denn die polizeiliche Opferberatung ist Schutz und Hilfe zugleich. Münchens Kommissariat 105, das in diesem Bereich gleichzeitig auch die größte bayerische Dienststelle für Opferschutz und Prävention darstellt, bietet deshalb in vielen Bereichen ein umfangreiches und individuelles Beratungsangebot an.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 46 versuchte und vollendete vorsätzliche Tötungsdelikte in München neu aufgenommen und bis auf einen Fall bereits restlos aufgeklärt. Nach den bisherigen Ermittlungen wurden einige dieser Taten durch einen Krankenpfleger in einer Klinik begangen, viele der anderen Taten erfolgten im (sozialen) Nahraum des Opfers. Hampel ergänzte: „Die erfolgreichen kriminalpolizeilichen Ermittlungen sind stets auch ein wichtiger Beitrag für das Sicherheitsgefühl der Menschen. Sie tragen aber auch zur Trauerbewältigung der Hinterbliebenen bei, die zuvor meist einen nahestehenden Menschen verloren haben und sich auch Fragen nach den Hintergründen einer Tat stellen.“

Bei den Sexualdelikten war 2021 ebenfalls ein Rückgang (-2,8 %) auf insgesamt 1.657 Fälle zu verzeichnen. „Sexualdelikte stellen einen besonders schweren Eingriff in die körperliche und psychische Integrität eines Menschen dar und können nachhaltig massive soziale, körperliche und psychische Beeinträchtigungen des Opfers nach sich ziehen“, so Hampel. Für die Opfer sexualisierter Gewalt ist es deshalb wichtig, dass die Aufklärungsquote bei Sexualdelikten erneut (auf 82,4 %) leicht gesteigert und so die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können. Vor allem bei besonders schweren Fällen der Vergewaltigung / sexuellen Nötigung bzw. Übergriffen war im vergangenen Jahr mit ‑ 29,0 % ein deutlicher Rückgang auf 230 Delikte zu verzeichnen. Die Verbreitung pornografischer Schriften hingegen stieg 2021 auf insgesamt 445 Fälle an.

Der Polizeipräsident erklärte: „Über die Hälfte dieser Delikte sind kinderpornografische Schriften, die überwiegend von gemeinnützigen Organisationen gemeldet oder über soziale Medien bekannt geworden sind. Diese Delikte sind besonders schlimm, denn hinter jedem Bild steht ein Opfer!“

Als unmittelbare Reaktion auf das gestiegene Fallaufkommen in diesem Deliktsbereich wird bei der Münchner Kriminalpolizei ein eigenes Kommissariat 17 zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder sowie Kinder- und Jugendpornografie eingerichtet. Dieses wird ab diesem April die Ermittlungen in diesem Bereich weiter intensivieren, um diese skrupellosen Täter zu überführen.

Ziel ist es auch, Opfer möglichst schnell zu identifizieren, um sie aus ihrer Situation befreien zu können. Das Polizeipräsidium München setzt daher einen besonderen Schwerpunkt in die Bearbeitung dieses Deliktsfelds.

„Nach einem Wohnungseinbruch leiden viele Opfer unter erheblichen emotionalen Belastungen bis hin zu massiven körperlichen Beeinträchtigungen“ informierte der Polizeipräsident und ergänzte: „Im vergangenen Jahr wurden 415 Wohnungseinbrüche registriert. Fast jeder dritte Wohnungseinbruch wurde aufgeklärt.“

Insgesamt 114 Tatverdächtige wurden ermittelt oder auf frischer Tat festgenommen. Gerade im Bereich der Einbruchsdelikte ist die Münchner Polizei vor allem auch auf aktive Hinweise der Bevölkerung angewiesen.

„Rufen Sie deshalb beim geringsten Verdacht sofort die 110 an“, appellierte Hampel. Um Einbrüche von vornherein zu verhindern, bietet die Münchner Polizei darüber hinaus allen Bürgerinnen und Bürgern eine kostenlose und professionelle Beratung zur sicherheitstechnischen Prävention an. Mehr als die Hälfte (52,8 %) aller Wohnungseinbrüche konnten, auch auf Grund technischer Absicherungen, verhindert werden und verlaufen somit aus Sicht der Kriminellen nicht erfolgreich. Der Polizeipräsident empfahl: „Jeder Einbruch hinterlässt Spuren. Die psychischen Folgen einer Tat sind oftmals weitaus verheerender, als der materielle Schaden. Nutzen Sie deshalb die polizeilichen Beratungsangebote, um Einbrüche bestenfalls komplett zu verhindern.“

Im Phänomenbereich des organisierten Callcenterbetrugs wurden 2021 vorwiegend lebensältere Menschen von den Anrufern telefonisch massiv bedrängt und zur Übergabe von teils erheblichen Vermögenswerten an völlig fremde Personen oder sogar ihrer Lebensgrundlage gebracht. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 4.310 Straftaten und damit -29,5 % weniger Delikte im Phänomenbereich „Falsche Polizeibeamte“ registriert.

„Die Seniorinnen und Senioren werden von den Täterbanden teils über Stunden und Tage hinweg hochmanipulativ unter Druck gesetzt und sehen in einer Geldübergabe oft den einzigen Ausweg aus dieser für sie belastenden Situation“, erklärte Hampel und betonte „Wir alle haben gemeinsam die gesellschaftliche Verantwortung unsere lebensälteren Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen. Die Münchner Polizei wird deshalb die Präventionsarbeit in diesem Bereich noch weiter verstärken. Ich danke an dieser Stelle aber auch unseren Partnern, die uns in der Präventionsarbeit unterstützen, wie die Münchner Polizeivereine und die Banken.“

Dass nur wenige dieser Straftaten aus Tätersicht überhaupt erfolgreich waren, kann auch auf die intensive polizeiliche Präventionsarbeit zurückgeführt werden. In einer gemeinsamen Kampagne gegen Callcenterbetrug wurden im vergangenen Jahr beispielsweise über 100.000 Bäckertüten mit wertvollen Präventionshinweisen versehen und beim täglichen Einkauf in rund 125 Bäckerfilialen im Bereich München verteilt. Aber auch die Ermittlungen der spezialisierten AG Phänomene werden immer effizienter. Dank der akribischen Ermittlungen sowie der guten internationalen Zusammenarbeit werden jährlich viele dieser Bandenmitglieder durch die Münchner Polizei festgenommen.

Im vergangenen Jahr 2021 wurden insgesamt 1.784 Straftaten der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) registriert. Davon 361 Fälle, darunter 51 Gewaltdelikte, waren der politisch motivierten Hasskriminalität zuzuordnen. Diesem Themenfeld werden grundsätzlich alle Straftaten zugeordnet, die mutmaßlich durch gruppenbezogene Vorurteile motiviert sind.

Der Polizeipräsident betonte: „Hass ist eine dunkle Seite der Meinungsfreiheit und vergiftet das gesellschaftliche Klima. Die Münchner Polizei wird deshalb weiterhin entschieden gegen jede Form der Hasskriminalität vorgehen!“ und appellierte: „Indem Sie solche Taten bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft anzeigen, schützen Sie auch aktiv andere.“ Im vergangenen Jahr konnten im Bereich der Hasskriminalität fast zwei Drittel aller Straftaten aufgeklärt werden.

Um das Vertrauen der Opfer in eine effektive Strafverfolgung zu stärken, ist die Münchner Polizei deshalb auch eng mit Beratungsstellen vernetzt und bietet zudem selbst speziell geschulte Beauftragte für Kriminalitätsopfer beim Kommissariat 105 als kompetente Ansprechpartner an. Hampel erläuterte: „Unser Ziel ist es, Hasskriminalität schnellstmöglich zu erfassen, Täter zu ermitteln, betroffenen Personen eine unkomplizierte Unterstützung anzubieten und, gemeinsam mit der Justiz, eine effiziente Strafverfolgung zu garantieren.“

Schon seit Anfang 2019 werden dazu bei allen Münchner Polizeidienststellen mehrsprachige Flyer mit entsprechenden „Informationen für Geschädigte von Hasskriminalität, insbesondere Antisemitismus“ sowie entsprechenden Hilfsangeboten der Beratungsstellen angeboten. Gemeinsam mit vielen verschiedenen Kooperationspartnern engagiert sich die Münchner Polizei klar gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit.

Am kommenden Freitag, 25.03.2022, beteiligt sich das Polizeipräsidium München daher an den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ und wird ein umfangreiches Programm zur Sensibilisierung hinsichtlich des Themas Rassismus anbieten.

Auch in einer Langzeitanalyse bleibt München (bereits zum 46. Mal in Folge) angesichts der aktuellen Kriminalstatistik 2021 weiterhin der Spitzenreiter unter den vergleichbaren deutschen Großstädten. Die Kriminalitätsbelastung ist daneben in der „Isar-Metropole“ noch weiter gesunken. „Das Risiko in München Opfer einer Straftat zu werden ist damit so gering wie schon lange nicht mehr“, resümierte Hampel, denn die sogenannte Häufigkeitszahl lag im vergangenen Jahr bei nur 4.712 Straftaten (ohne AufenthG) pro 100.000 Einwohnern. Klar ist auch, dass die Münchner Polizei bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben in den Bereichen der Gefahrenabwehr und der Strafverfolgung auf die Unterstützung und Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen ist.

Fazit von Polizeipräsident Thomas Hampel: „Vertrauen schafft Sicherheit. Sicherheit ist Lebensqualität!“

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