Wege zu Apotheken-Notdiensten oft zu weit

1.10.2021. Maximal 15 Kilometer sollte für die Bundesbürger die nächstgelegene Notdienstapotheke entfernt sein, so die Einschätzung deutscher Verwaltungsgerichte in der Vergangenheit. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Wie eine aktuelle ADAC Stichprobe zeigt, ist die Versorgung mit Notdienstapotheken in strukturschwachen Regionen zum Teil mehr als dürftig. Jede fünfte Strecke zwischen Heimatadresse und Apotheke war länger als 20 Kilometer, mancherorts mehr als 30 Kilometer und in einem Fall sogar über 40 Kilometer.

Nur gut acht Prozent der Wege waren kürzer als fünf Kilometer.

Eine aktuelle ADAC Stichprobe zeigt, die Versorgung mit Notdienstapotheken in strukturschwachen Regionen ist zum Teil mehr als dürftig. (Quelle: ADAC)

Besonders kritisch waren in der Studie die 21 Prozent, bei denen die Strecke zwischen Wohnort und Apotheke 20 Kilometer oder länger war. Von derartigem Missstand betroffen waren vor allem Menschen in ländlichen Gegenden von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: Verteilt auf die Bundesländer zeigte sich, dass die Versorgung in diesen beiden Ländern tatsächlich problematisch ist. Rheinland-Pfalz und Bayern schnitten hier am besten ab.

Die längste Fahrt zur Notapotheke wurde den Einwohnern der Gemeinde Gager in Mecklenburg-Vorpommern an einem der Erhebungstage zugemutet. 40,4 Kilometer war die einfache Strecke. Die kürzeste Distanz ergab sich im rheinland-pfälzischen Sankt Goar: Hier lag der Notdienst gerade einmal 57 Meter von der Heimatadresse entfernt.

Im Schnitt mussten die ADAC Prüfer Distanzen von über 14 Kilometern zurücklegen, bis sie das benötigte Medikament erhielten. Der Unterschied zwischen den Bundesländern ist jedoch beträchtlich: In Rheinland-Pfalz betrug die durchschnittliche Entfernung 11,8 Kilometer, in Bayern 11,9 und in Baden-Württemberg 12,4 Kilometer. Bei den Schlusslichtern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern lag die Distanz bei 19,4 bzw. 19,6 Kilometern.

Im Fokus der Untersuchung waren ländlich gelegene Orte in den zehn Bundesländern mit den meisten strukturschwachen Gemeinden unter 5.000 Einwohnern. In den ausgewählten knapp 300 Orten wurde jeweils die kürzeste Route von zentral gelegenen Startadressen zum nächstgelegenen Apotheken-Notdienst gemessen.

Für die Erhebung nutzte der ADAC den offiziellen Notdienstfinder www.aponet.de. Dort werden die jeweils nächstgelegenen offenen Apotheken aufgelistet. Allerdings basieren die Entfernungsangaben bei Aponet ausschließlich auf der Luftlinie. Weil unter anderem Flüsse, Seen oder Berge nicht mit einberechnet werden, weichen die tatsächlichen Distanzen teils erheblich ab.

Weitere Informationen gibt es unter adac.de/apothekennotdienst


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